Über die Lesung zum Buch Der Klang der Familie von Felix Denk und Sven von Thülen habe ich bereits was geschrieben. Inzwischen habe ich es auch geschafft, das Buch komplett zu lesen. Tolles Buch! Johnnie Stieler ist wohl einer, dessen Namen vorher eher weniger bekannt war und doch ist er ein Held. Er erwähnt auch die Berliner Krankheit. Die sollte wenigstens einmal auch einen Platz in diesem Berliner Blog namens Monday Edition für elektronische Musik und so haben:
Johnnie Stieler Achim und Dimitri hatten mir den Floh ins Ohr gesetzt, gemeinsam einen Club zu machen. Das war ein Traum. Ich war manisch und hab mich total reingestürzt. Was nicht einfach war mit den beiden. Die litten an der Berliner Krankheit. Das bezeichnete so einen besonders absurden Punk, der auch elektronisch sein konnte, so was wie die Tötliche Doris. Es bezeichnete aber auch eine Lebenshaltung. Die bestand im Wesentlichen darin, nichts auf die Reihe zu kriegen. Irgendwo sitzen mit dreckingen Fingernägeln, kein Geld haben und hoffen, dass jemand vorbeikommt, der noch einen Joint hat. Komplette Lethargie. Das Büro von Achim und Dimitri – soweit man das so nennen konnte – bestand aus zwei Armee-Schreibtischen, übersät von Papieren. Achim hockte auf einem alten Drehstuhl, auf dem nur er sitzen konnte. Man konnte nämlich nur in einer ganz bestimmten Position sitzen. Sonst wäre man sofort runtergefallen. Der ist da jahrelang gesessen. Ohne sich zu bewegen. Der Inbegriff der Berliner Krankheit. Mauerfall zum Beispiel: Dimitri hat die Tür aufgemacht, die Trabbis gesehen, die Tür wieder zugemacht und sich samt Mantel ins Bett gelegt…
(Der Klang der Familie, Seite 136)