Ich persönlich war ja nie im Stammheim Kassel oder gar im Aufschwung Ost. Ich hab zwar damals an nahezu jedem Wochenende das Auto quer durch die Republik gesteuert, aber voraussichtliche 3,5 Stunden Fahrzeit für eine Strecke durch den Südharz ohne Autobahn und die dann auch wieder zurück – da war zum Beispiel Berlin für uns schon immer komfortabler. Was natürlich nicht heißt, dass wir die Line-Ups auf den Flyern von Brinkmann und Kopetzki nicht gesehen hätten. Ob man in der Groove, im 1000° oder im Partysan blätterte: Das Stammheim war überall und immer ganz vorn mit dabei.
Die Doku Zeitgeist Stammheim erinnert an diesen Club, der Kassel einst glanzvoll auf der Technolandkarte platzierte und der Stadt neben der Documenta und dem Herkules wenigstens einen Lichtpunkt im Nachtleben gab. Es verwundert mich nicht, dass es dort eine unglaubliche Mühe war, einen solchen Technoclub zu betreiben. Wenn man da heute mal allgemein im Ort nachfragt, dann heißt es meistens nur, dass es ein übler Drogenladen war. Aber so einfach ist es nicht. Es war meistens harter Techno und sicher gab es auch viele Drogen. Was aber die Technokultur nicht nur im Stammheim Kassel ausgemacht hat, das kann man in dieser Doku schon sehr gut erahnen. Beim super Doku-Soundtrack fängt es schon mal an und beim Spaß dabei hört es auch nicht gleich wieder auf.
Wer hier genau zuhört, der kann zum Beispiel auch erfahren, was Techno-Glück eigentlich ausmacht und das es auch nichts bringt, nur den alten Zeiten hinterher zu hängen! Es geht eben auch um die Beziehungen zwischen den Menschen. Das sich eben keiner irgendwie besser fühlt als der Andere. Das wenigstens mal kurz aufgehört wird, aus irgendwelchen gegebenen Zufälligkeiten wie Elternhaus, Herkunft oder sonstigen Hierarchie-Kategorien abzuleiten, dass man die besseren Bedingungen und auch den helleren Himmel verdient. Und die Geburt von unserem Comichelden Hotze wird nebenbei auch noch besprochen. (via thelastbeat)

Für seinen Mix für Promomixes 011 hat sich der in Berlin wohnende Italiener Lucy das E-Werk 1993 ausgesucht. Lucy erklärt da im Interview, dass er zwar nie persönlich im E-Werk gewesen ist – jedoch hat er inzwischen so viele tolle Geschichten über diesen Club gehört, dass es ihn wirklich interessiert hat. Das E-Werk war von 1993 bis 1997 definitiv einer der prägendsten Technoclubs in Berlin. Lucy hat also einige Mixes aus dem alten E-Werk in der Wilhelmstraße angehört und ich finde, sein eigener E-Werk-Mix ist ihm wirklich gut gelungen. Endlich mal wieder ein toller oldschool Technomix. Wem das gefallen hat, der kann sich dann gleich noch den Original Promomix von Don Williams ziehen, den er 2005 fürs Berghain gemacht hat.
Die Seite des Tages ist Promomixes.com. Als Promomixes 009 gibt es aktuell diesen Mix von Function, der hier einen House-Hit an den anderen reiht. Red Zone – New York City 1991 sagt da eigentlich auch schon alles. Das war wohl damals einer der House Clubs in New York und es gibt auch noch ein
Wo ich schon mal wieder bei den Classics bin: Wer ist der berühmteste aller frühen Chicago DJ’s? Richtig, Ron Hardy! Seit über 10 Jahren hat deephousepage.com ein schönes Mix Archiv für Ron Hardy und dort habe ich auch diesen Mix gefunden, als ich so 2004/2005 verstärkt Chicago House- und somit auch Italo Disco Forschung betrieben habe. Dieses Ron Hardy Set aus der Music Box ist vom 19. Juni 1984. Es ist also die Zeit, kurz bevor sich Chicago House entwickeln sollte. Auf der B-Seite mixt hier Ron Hardy auch “On and On” von Jesse Saunders – der Track, der da gerade ein paar Monate alt ist und weithin als erster Housetrack überhaupt in die Geschichte eingehen wird. Auch sonst kann mich dieser Mix immer wieder begeistern. Es ist ein richtiger Sommermix, der mir schon so manchen Moment tief ins Gedächtnis eingeprägt hat. Also schon mal vormerken, der nächste Sommer kommt bestimmt. Richtig perfekt ist es übrigens, dazu mit offenen Fenstern, Strand Outfit und “Feel The Drive” die Küstenstraße entlang zu cruisen. Links das Meer, der wohl temperierte Fahrtwind – ach ja! I don’t believe in magic, I believe, I believe in love ever lasting…
Im Moment gibt es die 20 Jahre Groove Ausgabe am Kiosk und die ist wirklich großartig. In meinem Plattenladen gab es die Groove zum ersten Mal im Dezember 96 mit der Nummer #43 – Vive La France. Seitdem bin ich ein relativ treuer Groove-Leser. Obwohl. Vor zwei, drei Jahren gab es auch schon eine Phase, in der mir die Worte nur noch ewig gleich vorgekommen sind, das Feuer des Dancefloors für mich irgendwie völlig im nüchternen, journalistischen Anspruch erloschen war und ich während eines etwas hastigen Umzugs gleich mal alle meine Grooves in der Papiertonne entsorgt habe – oh nein!
Karl O’Connor (Regis) und Peter Sutton (Female) haben in den 90ern unter anderem neben Surgeon ganz hervorragende, harte Techno Tracks auf dem Label Downwards in Birmingham veröffentlicht. Für meinen Geschmack gehören Sie zu den wenigen Produzenten, die harten Techno schon immer sehr zeitlos produziert haben. Während ich bereits einen Großteil meiner Kollektion aus den alten Tresor Tagen aufgelöst habe, behalte ich ihre Platten nur zu gerne in meiner Sammlung und kaufe sogar immer noch welche dazu. Auf Sandwell District und Downwards gibt es immer wieder wirklich gute Releases und diese zwei neuen EP’s auf RSB mit den Reality Or Nothing Mixes sind auch richtig großartig. Reality Or Nothing ist ein Projektname von O’Connor und Sutton, unter welchem sie 1996 und 1998 insgesamt 4 Platten auf dem Label Housewerk Recordings veröffentlicht haben. Damals war noch ganz üble Fax-Listen Informationsdiktatur im Plattenladen und so hatte ich von diesen Tracks vor zwei Wochen einfach noch keine Ahnung. Umso schöner ist es jetzt, wenn plötzlich diese Mixes auftauchen – dark, jedoch nicht so finster wie es teilweise auf Downwards ist und so richtig fett. Neben den zwei Originalen ist es besonders der Reality Or Nothing Female Mix, der mich immer wieder neu in den Sessel drückt. Und alle anderen Tracks sind auch wirklich super!
Software und Hype der Woche sind definitiv Paul’s Extreme Sound Stretch und dieser