Zwei Schweden in Berlin: Joel Alter (Joel Alter/Jor-el) und Henrik Jonsson (Porn Sword Tobacco/Gunnar Jonsson) haben in diesem Jahr als Jonsson/Alter nicht nur ihr Debütalbum “Mod” mit fantastischen Tracks irgendwo zwischen Move D, Vladislav Delay und Matthew Herbert auf dem Label Kontra-Musik veröffentlicht, sondern waren auch mehrmals live zu sehen und hören. Unter anderem letzten Samstag wieder in der Panorama Bar.
Für jeden, der wie ich nicht dabei sein konnte, gibt es jetzt eine kleine Entschädigung, denn für den Blog Mnml Ssg haben Joel und Henrik ein knapp einstündiges Liveset irgendwo in der Sonnenallee aufgenommen – zumindest dem Titel nach. Und das versüsst mir in den vergangenen Tagen immer wieder die Arbeit am Computer, weil die Tracks voll analoger Synthesizer so wunderbar entschlackt und subtil grooven. Zwei, drei Zutaten reichen den beiden, und schon rollt ihr Schwedenexpress in Richtung Deepness, unaufhaltsam.
Inzwischen hat Boiler Room die Sets vom letzten Boiler Room Berlin zum Nachhören auf die Homepage gesetzt und das Live-Set von Barker & Baumecker ist auch dabei. Andreas Baumecker kennen ja bestimmt schon alle. Seit Jahren ist er fester DJ und Teil der Berghain-Panorama Bar Crew und betreibt das Label Freundinnen, dass 2002 mit dem tollen Isolée Track It’s about gestartet ist. Sam Barker kennen dagegen bestimmt noch nicht so viele. Er gehört zu denen, die seit drei Jahren die Leisure System Partys im Berghain organisieren. Gemeinsam haben sie letztes Jahr Candyflip auf Ostgut Ton veröffentlicht und spätestens seitdem spielen Barker & Baumecker auch als Live-Act zusammen.
Es gab also einen großen Tisch voller Hardware – ganz ohne störenden Computer-Bildschirm. Dafür aber für alle eine Extraladung Maschinen-Funk, die weit über das althergebrachte Bum-Tschak-Raster hinaus ging. Mal abgesehen von der kleinen Trance-Einlage bei 50 Minuten war das dort ein wirklich großartiges Finale. Im Video kommt das jetzt bestimmt nicht ganz so phänomenal rüber, wie in jener Mittwoch-Nacht im Stattbad Wedding. Und doch spielen hier Barker & Baumecker ein Live-Set, wie ich mir das vorstelle.
Diesen Mittwoch um 20 Uhr geht’s schon weiter mit: Levon Vincent, Efdemin, Roman Flügel, Cosmin TRG & 2562 / A Made Up Sound. Na da!
Fast 2 Wochen ist es jetzt her, als das Telefon klingelte und ich schweren Herzens den Boiler Room Berlin 001 absagen musste. Das ist jetzt son Live-Online-Magazin aus London, bei dem Acts immer vor kleineren Publikum spielen und dabei live im Videostream übertragen werden. Ein Format, bei dem irgendwie alles stimmt und so geht das momentan voll steil. Zum ersten Mal live aus Berlin. Jaja, aber ich war krank. Wer denn überhaupt spielen würde? Den ersten kannte ich nicht, Kassem Mosse live, irgendein Popfaktor-Alarmheinz und Redshape live! Kassem Mosse habe ich erst bei Nachtdigital live gehört. Ich wusste also, was die da so ungefähr zu erwarten hatten…
Gegen halb Zehn ein Dampfbad aufgesetzt und mal reingehört. Woah! Kassem Mosse ist der Mann der Stunde, keine Frage! Wer im Facebook mit liest, der weiß es schon seit Sonnabend. Kassem Mosse Live @ Boiler Room Berlin 001 gibt es jetzt auf Soundcloud zum Anhören. Heute Morgen wars mir ein wenig zu derb, aber Abends so kurz nach Sonnenuntergang ist das total klasse!
Wenn ich eine Liste meiner Lieblings-Künstler erstellen sollte, dann würde einer ganz bestimmt nicht fehlen: Gerard Hanson – noch besser bekannt als Convextion oder auch Event Related Potential, kurz E.R.P. 1995 hat er bereits seinen Evergreen Miranda auf Matrix Detroit veröffentlicht. Seitdem gehört er deshalb wohl auch zum Klang des Detroit-Umfelds, obwohl Gerard Hanson seine Tracks eigentlich fern der großen Techno-Ballungszentren in Dallas Texas produziert. Die Matrix 1 war bis zum Miranda Re-Release vor 4 Jahren eine der am meisten gesuchten Techno-Platten überhaupt und auch heute wird das Original nicht unter 50 Euro gehandelt.
Seitdem gibt es circa eine neue Convextion oder ERP Platte pro Jahr. Dabei bleibt Hanson seinem ganz eigenen Stil immer treu und öffnet darin dennoch immer wieder ein neues Klang-Universum. Ich denke da vor allem an Venus in Spurs auf Tektite, an die Event Related Potential EP und das Convextion Album auf Downlow oder die ERP auf Frantic Flowers. Für mich klingt dabei Convextion immer etwas mehr Techno und ERP etwas mehr nach 80er-Jahre beeinflusster Elektronika. Also so klassischer Elektro! Ein Stil, der eigentlich einen Sound sehr viel spezieller beschreibt als es die meisten, die den Begriff heute verwenden, ahnen.
Vielleicht hat es sich inzwischen bis in die Staaten herum gesprochen, dass hier der Begriff Elektro inzwischen für alle möglichen Stilrichtungen elektronischer Musik verwendet wird und dabei leider der eigentliche Stil völlig unter die Räder gekommen ist. Richtige Elektro-Platten sind ja auch eigentlich nicht mehr vorgekommen. Insgesamt 200 Exemplare der zwei ERP-Releases auf Semantica haben nun mal bestimmt keine neuen Hörer erreicht und auch Labels wie Puzzlebox oder Artists wie zum Beispiel Aux88 oder Keith Tucker sind in den letzten Jahren voll im Dornröschenschlaf versunken.
Doch nun gibt es frischen Wind. ERP hat soeben eine neue Platte auf Hardfloor veröffentlicht und Diamonds & Pearls hat aktuell gleich vier neue, wirklich gute Aux88 EP’s auf Puzzlebox im Vertrieb. Nach Minimal-, Deephouse- und Disko-Edit Hype wird vielleicht 2011 das Jahr, in dem Elektro aus seinem Schlaf erwacht und sein spezielles Klanguniversum wieder auf einige Dancefloors zurückkehrt. Wäre echt cool, denn für viele ist das inzwischen wieder wirklich neu und vielleicht hilft dieser tolle Convextion Podcast auf Resident Advisor dabei.
Eines Tages im Dezember: Inzwischen hat sich hier der richtige Moment für die Harmonie Park LP von Wareika gefunden. Zwischen Jazz, Techno-Folklore und ihrem „advanced“-Ansatz für elektronische Musik konnte man schon beim ersten Hörbeispiel im Juni ahnen, dass es für diese LP auf Perlon durchaus den richtigen Zeitpunkt geben würde. Während die Weihnachtsmelodien wieder Hochkonjunktur haben, setzte ich einfach auf die CD-Version dieser LP. Manchmal lausche ich zwar ein wenig ratlos dieser stoischen HiHat hinterher und frage mich, was die da eigentlich macht. Dennoch gefällt mir der Harmonie Park mit seinem Wolfsdorf-ähnlichen mäandern von einer Harmonie zur nächsten echt gut – seine zahllosen und ständigen Variationen zwischen Minimal-Techno-Afterhour und Fernet-Branca Gitarre, die vielleicht auch gerade wegen dieser endlosen Offbeat-HiHat so gut funktionieren. Brücken ohne Ende als LP+CD.
PS: Ja ich weiß, dass es schon die neue Superlongevity 5 auf Perlon 87 gibt. 70 Euro! Dafür muss ich noch ein bisschen sparen.
Ein bisschen hab ich mich heute morgen beim Bürokram doch gefragt, ob mir denn diese Woche überhaupt kein schöner Mix über den Weg laufen will, der mich hier in meiner Stimmung abholen und gleich mitnehmen möchte. Bis auf Eli Verveine p45 Radioshow Mix (und das kam ja aus dem eigenen Blog) schlug der RSS-Reader bisher nur Fehlalarm… aber wir sind ja hier bei Profis und schon zwitscherte mir über Tauben das inzwischen schon ein paar Tage alte, jedoch mir noch völlig unbekannte Live Set von Christopher Rau aus dem Bedroom entgegen. Na bitte, es geht doch: Sehr schönes Set!
Am Sonnabend wird Hardwax 20! Und das wird gebührend auf 3 Floors im WMF Berlin gefeiert. Um 20 Uhr geht’s schon auf dem Killasan Floor los. Nach Torsten und Sascha ist dann um 22 Uhr der Chef Mark Ernestus persönlich mit Tikiman und Freunden am Start bevor es dann mit René Löwe aka Vainqueur, Anthony “Shake” Shakier, Errorsmith und Gernot von Modeselektor durch die Nach geht.
Im Live Floor gibt sich nach Electric Indigo um 0 Uhr der Rest der Hardwax-Crew die Klinke in die Hand: Substance, MMM, Soundhack, Pete & Sleeparchive, Marcel Dettmann & Shed als Deuce Live und als DJs. Dazu noch Prosumer mit Soundstream in Floor 3 und karibische Köstlichkeiten: Happy Birthday, Hardwax! Für den genauen Zeitplan und mehr Infos besucht einfach die Hadwax-Seite:
Montag – wieder ein klarer Fall für Monday Edition und ich schicke heute mal wieder unseren Liebling Move D ins Rennen! Jener versteckt sich nämlich gemeinsam mit Jonah Sharp hinter dem Reagenz Projekt. Gemeinsam haben sie 1994 schon mal ein Album und eine Single veröffentlicht und jetzt, 15 Jahre später, gibt’s ganz frisch wieder ein Album auf Workshop. Playtime heißt es und ist entweder als LP+CD, CD oder jeweils als Single-12″ Workshop 009.1 und Workshop 009.2 erhältlich. Part 2 war letzte Woche schon ausverkauft, kommt aber hoffentlich noch mal und wird dann auch ungehört mitgenommen. Bis dahin vertreibe ich mir die Zeit mit dem wunderschönen Dinner With Q, das weit über die 10 Minuten Grenze hinaus locker und leicht hinweg groovt und mich mit einem Hauch von Frühling in seinen Bann zieht. Schon spüre ich eine leichte mediterrane Brise, die vom Meer herüber weht und überlege, ob ich mir zum Dinner auf der Terrasse noch schnell die Sonnenbrille aufsetze, damit ich in der warmen Abendsonne nicht so blinzeln muss. Das ist Medizin für meine Apotheke! Und außerdem habe ich in Move D’s Soundcloud noch ein Reagenz Live-Set der Beiden vom September 2009 gefunden.. Ach ja: man kann das bei Soundcloud auch runter laden – einfach auf den dicken Pfeil unter Info klicken :)
Hey, Carl Craig hat sein Paperclip People Projekt aufgeweckt, einen Live Act gemacht und war so frei, das auch auf Soundcloud zu laden. Das ist doch mal ne schöne Aktion und das Beste, was ihm in der letzten Zeit in Sachen Tanzmusik in den Sinn gekommen ist. Mir hat Carl Craig als Paperclip People sowieso immer am Besten gefallen und bis auf das bisschen doofe Live-Gequatsche gilt hier: Alltime Favorites Alert!