It’s All About Love!

its all about loveIs this “DJ” pulling records behind him? Is this Berlin 2011 or NYC/Detroit/Chicago 1988? How far we’ve come and how little we’ve progressed!

Eine Woche ist es her, dass Richie Hawtin dieses Foto mit dem DJ+Trolley auf seiner Facebook-Seite postete und dazu diesen Text schrieb. Mein Kommentar war: Remember: It’s all about love, about giving and sharing. How far have you progressed? Eine Frage, die ich mir von Zeit zu Zeit durchaus auch selbst stelle und die Antwort darauf manchmal auch nur mäßig ausgefallen ist. Tanith hat das inzwischen auch schon als Thema der Woche behandelt und dabei auf die ganzen Hater aus der Vinylfraktion gezeigt. Frei nach dem Motto: Seht her, diese ewig gestrigen von der Vinyl-Fraktion sind noch viel übler.

Dabei waren doch die kritischen Kommentare überwiegend eher darauf bedacht, dass dieses “DJ” einfach nicht geht. Das Gegenbeispiel, welches Tanith dazu ausgegraben hat, zeigt dazu noch recht deutlich, dass das Thema nicht Digital vs. Vinyl sein sollte. Es geht doch eigentlich um eine gewisse Grundeinstellung, die bei House und Techno einst die zentrale Aussage war und die leider in den vergangenen Jahren mehr und mehr verloren gegangen ist.

Und während ich noch grübelte, wie ich das dieser Diskussion noch anfügen könnte, sind mir die alten Interviews mit Sven Väth wieder eingefallen. Zur Erinnerung: Richie Hawtin hat damals zu seiner Transformation auch gern Sven Väth als Referenz angegeben. Ich war ja nie sehr Väth orientiert. HR3 gabs bei uns nicht und wenn er denn mal in der Nähe aufgelegt hat, wars mir immer viel zu voll. Doch in seinen Interviews konnte man doch immer was durchaus Positives mitnehmen. Zum Beispiel Sven Väth 1998 bei Boulevard Bio oder auch hier im 95er Interview für Spiegel TV.

Ich wünsche mir, dass genau die Aspekte wie Toleranz und Brücken schlagen in Zukunft wieder mehr diskutiert werden. Das es eben am Wichtigsten ist, dass da ein Funken überspringt und der DJ sich öffnen kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich hinter den Decks genau das machen kann, was ich in dem Moment am Meisten liebe, dann erreiche ich die Leute auch mit dem was ich da mache. Ich fühle sie und sie fühlen mich – ganz egal wer da vor mir ist und was sie dort eigentlich von mir erwartet haben. Mit welcher Technik man am Besten dorthin gelangt, dass muss und soll jeder für sich selbst raus finden und entscheiden.

CDR Berlin: Theo Parrish Workshop im Chez Jackie

cdr berlin chez jackieDie Abkürzung CDR steht für Create, Develope, Release – The Night of Ideas and Tracks in the Making. Diese Veranstaltung wurde bereits vor 10 Jahren von Tony Nwachukwu ins Leben gerufen, der z.B. auch für sein Projekte Attica Blues sowie mit Macy Grey, UNKLE oder dem Cinematic Orchetra bekannt ist. Ausgehend vom Londoner Club Plastic People fand das Event bereits in Paris, Barcelona, Venezuela, Sydney, Bulgarien oder Israel statt und ist seit Kurzem nun auch in Berlin zu Hause.

Im Chez Jackie wird jetzt alle paar Wochen immer Sonntags zum CDR-Berlin Abend gerufen, um dort gemeinsam Antworten auf die grundlegenden Fragen bei der Musikproduktion zu finden. Ist der Sound richtig? Funktioniert das Arrangement? Funktioniert der Track auch auf einer richtigen Anlage im Club? Tony Nwachukwu und Dirk Rumpf laden dafür gemeinsam erfahrene Produzenten zum Workshop ein und anschließend können alle ihre eingereichten Tracks zur Party einem Reality-Check unterziehen.

Ich finde die Idee großartig und wenn sich an diesem Sonntag gegen 19 Uhr Gerd Janson und Theo Parrish zum CDR-Berlin Workshop einfinden, wird die Monday Edition ganz sicher auch dabei sein – THEO PARRISH kommt und der Eintritt ist frei. Für jene, die nicht kommen können, wird anschließend ein Best-of des Abends im Red Bull Music Academy Radio wiederholt.

Doku: Zeitgeist Stammheim Kassel

Ich persönlich war ja nie im Stammheim Kassel oder gar im Aufschwung Ost. Ich hab zwar damals an nahezu jedem Wochenende das Auto quer durch die Republik gesteuert, aber voraussichtliche 3,5 Stunden Fahrzeit für eine Strecke durch den Südharz ohne Autobahn und die dann auch wieder zurück – da war zum Beispiel Berlin für uns schon immer komfortabler. Was natürlich nicht heißt, dass wir die Line-Ups auf den Flyern von Brinkmann und Kopetzki nicht gesehen hätten. Ob man in der Groove, im 1000° oder im Partysan blätterte: Das Stammheim war überall und immer ganz vorn mit dabei.

Die Doku Zeitgeist Stammheim erinnert an diesen Club, der Kassel einst glanzvoll auf der Technolandkarte platzierte und der Stadt neben der Documenta und dem Herkules wenigstens einen Lichtpunkt im Nachtleben gab. Es verwundert mich nicht, dass es dort eine unglaubliche Mühe war, einen solchen Technoclub zu betreiben. Wenn man da heute mal allgemein im Ort nachfragt, dann heißt es meistens nur, dass es ein übler Drogenladen war. Aber so einfach ist es nicht. Es war meistens harter Techno und sicher gab es auch viele Drogen. Was aber die Technokultur nicht nur im Stammheim Kassel ausgemacht hat, das kann man in dieser Doku schon sehr gut erahnen. Beim super Doku-Soundtrack fängt es schon mal an und beim Spaß dabei hört es auch nicht gleich wieder auf.

Wer hier genau zuhört, der kann zum Beispiel auch erfahren, was Techno-Glück eigentlich ausmacht und das es auch nichts bringt, nur den alten Zeiten hinterher zu hängen! Es geht eben auch um die Beziehungen zwischen den Menschen. Das sich eben keiner irgendwie besser fühlt als der Andere. Das wenigstens mal kurz aufgehört wird, aus irgendwelchen gegebenen Zufälligkeiten wie Elternhaus, Herkunft oder sonstigen Hierarchie-Kategorien abzuleiten, dass man die besseren Bedingungen und auch den helleren Himmel verdient. Und die Geburt von unserem Comichelden Hotze wird nebenbei auch noch besprochen. (via thelastbeat)

Real Scenes Berlin (Resident Advisor)

Resident Advisor hat heute einen neuen Teil ihrer Video-Doku Reihe veröffentlicht – Real Scenes Berlin. Manne, Tobi Rapp, Dimitri Hegemann, Dixon, Sammy Dee, die Renate und die Betreiber von Watergate und Weekend weisen den Weg durch die Stadt und bilden in den nur 18 Minuten einen doch gelungenen Querschnitt durch die Stadt. Vom Hausbesetzer bis zum Gefühl, wenn man zum ersten Mal in der Schlange steht und feststellt, dass hier kein Mensch deutsch spricht. Das ist alles irgendwie schon länger her.

Und doch macht Berlin immer noch richtig viel Spaß. Das Musik-Programm ist jede Woche irgendwo unglaublich gut. Es ist auch bei bestmöglicher Vorauswahl einfach unmöglich, alles zu erleben. Es gibt Touri-Clubs, die man nur ausnahmsweise mal besucht. Jene, die für mich auch ein soziales Umfeld haben und jene, bei denen es jedes Wochenende auf der Kippe steht. Dabei ist es ja schon so, dass Gäste wirklich willkommen sind. Nur ist dieses House-Techno-Club Ding eben doch mehr als nur Balztanzstätte mit Tränke und das kann man je Abend immer nur einer relativ kleinen Zahl an Frischlingen vermitteln. So bleibt’s aber auch spannend und plötzlich sitzt man dann doch wieder da und denkt so, wow – voll schön!

Als ich schließlich vor ein paar Jahren ganz nach Berlin gezogen bin, wurde ich von einem Berliner zu meinen Plänen interviewt. Naja. Ob ich denn jetzt viel ausgehen würde? Na klar. Damit war dann auch erstmal alles gesagt. Das Schöne ist, dass Berlin seinen Menschen die Zeit gibt, die sie brauchen und die Stadt genügend Orte hatte und noch hat, an denen sich Menschen begegnen, sich ausprobieren und entwickeln können. Genau das macht Berlin so kreativ, genau deshalb kommen so viele. Nun steigen die Mieten und der Schlendrian funktioniert nicht mehr gar so lange. Trotzdem, Danke Berlin!

Freiraum: Do It Yourself – Vivienne Westwood auf arte+7

freiraum do it yourself vivienne westwood arte+7Herzlich Willkommen im neuen Freiraum bei Monday Edition. Hier in Berlin Friedrichshain waren Freiräume das Thema des vergangenen Monats. Es wurde wieder einmal ein besetztes Haus geräumt und sehr viele haben das sehr bedauert. Schon allein der Umstand, dass uns hier über 2000 Polizisten eine Zeit lang bewacht haben zeigt, dass man hier mit der Aktion alles andere als einverstanden war. Andererseits ist vielen auch nicht wirklich klar, warum man solche Orte wie die ehemalige Liebig14 oder vielleicht auch die Bar25 als gesellschaftlich schützenswerte Orte ansehen sollte – auch dann, wenn man persönlich nicht so viel damit zu tun hatte. Es steht also die Frage im Raum: Warum eigentlich?

Ich habe Stunden und Tage darüber nachgedacht, wie ich es auch dem größten Skeptiker möglichst klar und eindeutig erklären könnte – doch so richtig wasserdicht scheinen mir meine Argumente noch nicht zu sein. Ein Selbstversuch muss her und was liegt da näher, als Anfang einen Freiraum auf dieser Webseite einzurichten. Einen Raum also, der sich nicht nur auf House, Techno und so beschränkt – einen Raum, der offen ist für alles Mögliche, was einen so inspirieren und weiterbringen kann.

Die Doku Do It Yourself über Vivenne Westwood auf Arte+7 macht den Anfang. Arte hatte in der letzten Woche das große  Thema Mode bzw. Fashion Week und zwischen all den Doku’s über die großen Mode-Designer hat mir der Film über Vivienne Westwood aus London am Besten gefallen. Sie galt eine Zeit lang als Queen of Punk und “Do It Yourself” ist noch bis Montag bei Arte+7 zu sehen…

Happy New Year!

happy new yearIch hab kurz nach 0 Uhr ein brennendes Dings von meiner Leuchtkugelbatterie ins Auge bekommen und schon war mir klar, dass eigentlich alles einfach immer weiter geht. Von wegen Neuanfang und so. Dieses Ritual, sich von Altem zu verabschieden und Neues zu begrüßen ist zwar schön und gut. Wer aber mit beginnender Erkältung und irgendeinem Scheiß im Auge den Neujahrstag begeht, der sieht doch alles gleich wieder viel nüchterner. Entweder ist immer Silvester oder niemals. Guckt man sich zudem halbwegs kritisch in der Welt um, so kann man eigentlich auch nur noch feststellen, dass ein Scheiß in Ordnung ist. Die Politik rüstet sich langsam aber sicher gegen das Volk und vermeintliche Sicherungsinstitutionen dagegen versagen nach und nach ihren Dienst. Immer schön nach Osten zeigen aber nicht vor der eigenen Tür kehren – Leute, das geht nicht lange gut! Mir kleinen Ost-Teenager hat vor circa 16 Jahren mal so ein alter Hippie gesagt, dass am Ende noch alles viel beschissener werden wird, als es in der DDR zuletzt war. Und wenn ich mich jetzt umhöre, dann muss ich doch leider feststellen, dass er höchstwahrscheinlich recht gehabt hat. Ratlos kratze ich alle mir bekannten Theorien zusammen und versuche die Fragen zu finden, die bisher keiner so explizit gestellt hat und weshalb auch die richtigen Antworten dazu fehlen. Ob ich mich nun an Ausblicke aus Vorlesungen zur Volkswirtschaftspolitik erinnere, Klimaforschung  oder den Maya-Kalender studiere, eins bleibt gleich: Es wird definitiv beschissen werden. Deshalb will ich wenigstens meinen Körper und Geist so fit wie möglich machen – auch weil mir mein Körper in den vergangenen Wochen ganz klar angesagt hat, dass es so nicht weiter geht. Notfalls höre ich eben sogar auf zu rauchen. So ist man wenigstens selbst noch handlungsfähig und hat vielleicht noch ne Chance.

Doch wie war das? Am Ende ist immer noch Musik da. Außerdem gilt wie für dieses Silvester-Dings im Auge sowieso immer: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird bzw. am Ende ist alles halb so wild. Mein Auge ist okay! Na bitte, es geht doch. Und zuletzt wird uns wohl nur die anscheinend einfachste und zugleich schwierigste aller Lösungen retten: Make love everybody, make love!

In diesem Sinne, keine Angst und auf ein Neues,

Deine Monday Edition

Doku: Requiem for Detroit

Detroit ist in dieser ersten Maiwoche wieder schwer vertreten – jedenfalls in meinen Newstickern – und vielleicht liegt’s auch ein bisschen am vergangenen 1. Mai Wochenende. Die Doku Requiem for Detroit passt da auch ganz hervorragend ins Programm, jetzt wo sich die Finanzkrise schleichend fortsetzt und in Griechenland angebliche Revolutionäre Bankangestellte an ihrem Arbeitsplatz verbrennen. Detroit war in den vergangenen 100 Jahren der Welt schon immer ein Stückchen voraus. Erst Henry Fords Fließband, die erste Krise, ein Kriegsboom, ein noch größerer Boom, die nächsten Krisen und in den letzten Jahrzehnten ist Downtown Detroit so richtig krachen gegangen. Requiem for Detroit zeigt nicht nur, wie krass es vor der Studiotür von so manchem meiner Lieblingsproduzenten aussieht – sie erklärt auch ziemlich gut, wie es dazu gekommen ist. Alles Neue macht der Mai… (via De:Bug)

Video: Another Cloud Reel… on Vimeo

Another Cloud Reel… from Delrious on Vimeo.

Footage shot over the summer of 2009 mostly in the San Francisco bay area.
Music by His Boy Elroy.

The Ocean of Sound: Melkweg – Ambient Journey

melkweg ambient journey the ocean of soundAmbient Journey ins Melkweg Amsterdam. Mit einem Auszug aus dem Buch The Ocean of Sound von David Toop zurück zur ersten Ambient Nacht ins Melkweg 1993 und weiter unten dann noch der passende Soundtrack – aufgenommen in eben diesen Melkweg und erst kürzlich bei mnml ssgs im Rahmen der Sunday Sounds gefunden.

…zum Aus-Chillen

Eine kalte Feitagnacht in Amsterdam im Oktober 1993. Drinnen im Melkweg tun zwei Männer in Schlafanzügen so, als würden sie im Stehen schlafen. Eine Frau in schwarzen hochhackigen Schuhen sieht fern, und drei Männer in dunklen Anzügen stehen auf einem Tisch am Ende des Raums. Ein Paar, dass man in vielfarbige Polyvinylanzüge im Stil von Julian Clary gesteckt hat, lagert im Zwielicht von Leuchtglobussen und Projektionen von Blubberdias. Gartenzwerge sitzen auf grünen Fliegenpilzen, ihre Ohren sind auf ein Hintergrundsummen indischer Tambouras gerichtet und auf einen Sound, der von Hirtengesängen irgendeiner nördlichen Gegend stammen könnte.

Von dieser Reminiszenz an Performancekunst der 70er Jahre gelangweilt, schlendere ich in andere Räume, wo es Live-Performances von programmierter Musik gibt. Am nächsten Abend, Teil zwei von Amsterdams erstem Ambient-Wochenende, beobachte ich die frischen Kuriositäten des Ambient-Club-Phänomens von der Loge des Melkweg aus. Nach einem Didgeridoo-Duett, das direkt neben einem blumengeschmückten DJ-Pult dargeboten wurde, treten Chris & Cosey auf.

Hinter ihren Keyboards sehen diese beiden Veteranen der grauen elektronischen Industrial-Musik der frühen 80er Jahre von Throbbing Gristle aus wie zwei einfarbige Schaufensterpuppen. Sie sind statisch, die Musik ist statisch, der Laden ist total voll, und DJ Per, der den Abend zusammen mit seinem Bruder organisiert hat, ist sehr glücklich. Ihn amüsiert die Situation allerdings auch. Nachdem der Melkweg gerade seine Kiffermatratzen und sein Image als Hippie-Mekka Europas mühsam losgeworden ist, wird der Ort erneut von einem katatonisch in Rückenlage auf sanftem Untergrund herumliegenden Publikum heimgesucht.

Weiterlesen