In der Nacht zum Ostermontag war ich seit langem mal wieder kurz zu Besuch in Dresden. Dort habe ich unbekannter Weise Insect O getroffen, der mir kurz darauf wieder bei Facebook unter gekommen ist und sich als Oliver Hartmann heraus stellte. Drei Klicks später habe ich dann bei Soundcloud echt nicht schlecht gestaunt: Unter anderem gibt es dort diese Aufnahme von Elbfloorbeatz auf Coloradio mit einem schönen Interview, einer Auswahl an Insect O Tracks und einem kurzen Dub Techno Mix. Der Rest ist dann selbst erklärend und der beste Beweis, dass in Dresden abseits von Uncanny Valley noch lange nicht Schluss ist. Unbedint auch mal die anderen Tracks in der Insect-o-Klangwolke anhören.
Autorenarchiv: Gunther
Skudge: Phantom (Skudge LP 01)
Für mich scheint es so, als das im ständigen Rhythmus der Musikstilblüten wieder mal ein Scheideweg bevor steht: Techno/Folklore. Skudge und ihre Phantom LP wäre dann das Lager jener, die sich dem Geseier entledigen und einfach den Vibe in den Mittelpunkt stellen. Ich meine DEN Vibe, der sich frei von Schnürkel tief in dein Gehirn schraubt und dich alles vergessen lässt. Alles wird stumm sein, bis der erste sein Glück des Moments dieser Freiheit begreift und dieses mit der nächsten analogen, warmen Bassdrum quer über den Dancefloor ausbreitet. Die Skudge Phantom Debüt-LP ist ein KILLER!
Train of Mondays: Live auf Ustream
Am vergangenen Freitag gab es ab 17.30 Uhr zum ersten Mal die Möglichkeit, bei unserer privaten Mix-Session live dabei zu sein. Diese Abende finden bereits seit einigen Jahren in unregelmäßigen Abständen statt und gehören seitdem zu meinen persönlichen Highlights. Ustream hat leider nur die ersten drei Stunden des Abends aufgezeichnet, so dass hier alle Nachzügler nur noch das Warm-Up des Abends nachhören können. Weil wir Train of Mondays sehr spontan entschieden und umgesetzt haben, gibt es an dieser Stelle auch noch keinen richtigen Plan ob, wie und wann es ein nächstes Mal geben wird. Doch ich habe so ein Gefühl, dass es irgendwann bestimmt noch eine Fortsetzung gibt.
DJ’s (der Reihenfolge nach):
- Christian Fröhlich
- Monday Edition / Gunther
- André K
Joe Babylon: Monday Edition Podcast 20
Monday Edition – Zwei Null. Was gibt es besseres, als dies mit einem neuen Podcast einzuleiten und der kommt von Joe Babylon Marougi aus San José. Joe betreibt das Label Roundabout Sounds und hat dort bisher zwei echt schöne Houseplatten veröffentlicht. Ein Blick auf die Tracklisten offenbart dazu noch Remixes von Rick Wade, John Tejada, Orlando Voorn und XDB. Kenner wissen schon, in welche Richtung das jetzt geht.
Den Joe Babylon Mix habe ich inzwischen ungefähr 20mal angehört und je öfter ich diesen wunderbaren House-Mix anhöre, desto mehr freue ich mich, diesen Mix hier als neuen Podcast präsentieren zu dürfen. Es ist so Roundabout Sounds. Danke!
Tracklist:
Moodymanc: „Black Paint“ (Larry Heard’s After Dark Mix)
Urban Force: „Untitled 2“ (Mike Huckaby Remix)
Baaz: „Something“
Norm Talley: „Vi-Bray-Shun“
Oskar Offermann & Moomin: „Hardmood“
DJ Wild: „Goiabada“
Christopher Rau: „T.S.Off“
STL: „Neurotransmitting Clouds on the Secret Freeway“
Joe Babylon: „We Rise“
Âme: „Basic Track“
Mr. G: „Sometimez I Cry“ (Radio Slave Remix)
Inner City: „Good Life (Buena Vida)“ (Carl Craig Mix)
Delano Smith: „Dee’s Groove“
Roberto Rodriguez: „Ride with Me“ (Featuring Max C.)
Daso & Pawas: „El Paso“ (Butch Remix)
Boo Williams: „Beating the Clock“
- Download mp3
- Joe Babylon – Roundabout Sounds
Promomixes 011: Lucy – E-Werk Berlin 1993
Für seinen Mix für Promomixes 011 hat sich der in Berlin wohnende Italiener Lucy das E-Werk 1993 ausgesucht. Lucy erklärt da im Interview, dass er zwar nie persönlich im E-Werk gewesen ist – jedoch hat er inzwischen so viele tolle Geschichten über diesen Club gehört, dass es ihn wirklich interessiert hat. Das E-Werk war von 1993 bis 1997 definitiv einer der prägendsten Technoclubs in Berlin. Lucy hat also einige Mixes aus dem alten E-Werk in der Wilhelmstraße angehört und ich finde, sein eigener E-Werk-Mix ist ihm wirklich gut gelungen. Endlich mal wieder ein toller oldschool Technomix. Wem das gefallen hat, der kann sich dann gleich noch den Original Promomix von Don Williams ziehen, den er 2005 fürs Berghain gemacht hat.
Tracklist
Sweet Exorcist – Testone (Warp)
Choice – Acid Eiffel (Fragile)
Vapourspace – Gravitational Arch of 10 (Plus 8 Records)
Aphrohead – In the Dark We Live (Dave Clarke’s 312 Mix) (Bush)
Polygon Window – Quoth (Warp)
Hardfloor – Acperience (Harthouse)
Joey Beltram – Energy Flash (Tresor)
Orbital – Chime (FFRR)
Nightmares On Wax – I’m for Real (Warp)
Emmanuel Top – Replay (Novamute)
The Martian – Star Dancer (Red Planet)
Vainqueur: Ranges (Scion Versions 07)
Platte des Tages ist Vainqueur – Ranges auf Scion Versions 07. Scion – das sind Peter Kuschnereit (DJ Pete) und René Löwe aus Berlin, die auch als Substance und Vainqueur produzieren und sicher schon einigen sehr gut bekannt sind. Das erste Scion-Release war Emerge – Nummer 1 des Labels Chain Reaction. Dieses Label ging 1995 als Basic Channel-Nachfolger vom Hardwax aus an den Start und was da so Mitte der 90er von Moritz von Oswald, Mark Ernestus & Co an Musik produziert wurde, gilt weithin als Blueprint von Dub-Techno.
Im vergangenen Herbst gab es ein neues Dub-Techno Release von Vainqueur. Damals spielte ich auch mal wieder meinen alten Letzte-Platte-Gassenhauer Basic Channel 06 von 1994, der sich mit seiner 20 Minuten Spielzeit immer dann besonders gut entfaltet, wenn man mit dem Typen von der Security gerade „noch eine Platte“ ausgehandelt hat. Meistens geht der dann noch ne Runde. Wenn er dann wiederkommt tut die Platte nur so, als wäre sie gleich zu Ende, um dann mit der erneut einsetzenden Bassdrum noch einmal alle Anwesenden glücklich auf dem Dancefloor zu vereinen. Man ist dann auch immer wieder überrascht wie wenige, auch musikalisch sehr gut informierte Leute Basic Channel auf dem Zettel haben.
Wer bereits solche Standards im Sortiment hat, der fragt sich heute bei neuen Dub-Techno Platten immer häufiger, ob das jetzt wirklich noch gebraucht wird. Meistens entpuppt sich das als Aufguss vom Aufguss und ist am Ende die Mühe nicht wert gewesen. Diese Befürchtung hat dann auch vor einer neuen Scion Versions nicht halt gemacht und doch hatte ich schon beim Vorhören die Ahnung, dass Ranges es wert sein könnte.
Inzwischen dreht diese Vainqueur Platte hier seit 6 Monaten in angenehmer Regelmäßigkeit ihre Runden. Während viele Platten kommen und gehen beginnt gerade jetzt im Frühling Ranges noch einmal mehr aufzublühen. Im Februar haben Scion einen ihrer viel zu seltenen Live-Acts im Rahmen der Transmediale im Hebbel am Ufer gespielt und ich ärgere mich noch 2 Monate später darüber, dass ich es verpasst habe. Die Zusammenfassung erreichte mich prompt und klang so: Obwohl man durchaus ein wenig skeptisch war – wegen Techno im Theater, Eintritt für nur einen Act als Konzert und so – wurde nach 10 Minuten auf der Bühne getanzt und alle erlebten in eineinhalb Stunden die Essenz. Das hat voll lange nachgewirkt und sich mehr als gelohnt. Wenn ich mir Ranges von Vainqueur jetzt anhöre, dann muss ich immer daran denken und kann mir sehr gut vorstellen, wie es ungefähr gewesen sein könnte. Killer!
- Vainqueur – Ranges (hören & kaufen) / mp3
- Substance aka DJ Pete
- Vainqueur hat keine Lust auf Facespace :)
Mnml Ssgs: Input Selector Mix
Als im Februar dieser Ambient Mix von Mnml Ssgs Chris für Input Selector erschienen ist, war die Situation in Tokio noch ganz anders. Wir wissen alle, was inzwischen passiert ist und der Super-GAU in Japan hat mir in den vergangenen Wochen wirklich die meisten Sorgen gemacht. Ich hoffe jeden Tag, dass sich Japan endlich einen Ruck gibt und nochmal eindrücklich auf die Schwere und die internationale Dimension der Katastrophe hinweist. Jedem, der nur halbwegs der Logik mächtig ist, sollte doch spätestens jetzt klar werden, in welche Gefahr die Menschen ihren Lebensraum gebracht haben und was für eine Zeitbombe dieser künstliche Neutronen-Beschuss von Uran für unseren Lebensraum darstellt.
Wenn ich mir was wünschen darf dann wünsche ich mir, dass sich wenigstens die Menschen zusammenschließen, die bisher Kernenergie genutzt haben und somit auch dafür verantwortlich sind. Ich hoffe, dass man den Energie-Konzernen nicht noch mehr Tingeltangel und Verharmlosung durchgehen lässt und endlich anfängt, gemeinsam und entschlossen nach den bestmöglichen Lösungen zu suchen.
Diesen Zusammenhalt wünscht sich heute übrigens Mnml Ssgs Chris in Tokio auch von der globalen Techno-Szene. Das solltet ihr auf mnml ssgs mal selbst nachlesen und sein Input Selector Mix dreht seit Wochen kontinuierlich seine Runden in meiner MP3-Player Playlist.
https://soundcloud.com/input-selector/is-083-chris/
Tracklist
Vangelis – Blade Runner Main Titles
Speedy J – Fill 25
Dadavistic Orchestra – Strung Valve Checkout
Relapxych.0 – City Nightlights
Koss – Odyssey
Roswell Return – Up Here
From Within – Future Surfacing (What Lies Ahead)
The Black Dog – Witches Ov (Beatless Version)
Vangelis – Tears in Rain
De:Bug Interview: Daniel Troberg – Elektron Octatrack
In der aktuellen De:bug Ausgabe gibt es ein Interview mit Daniel Troberg von der schwedischen Firma Elektron. Die sind ja schon für ihre Maschinedrum und Monomachine bekannt und bringen jetzt, in Zeiten wo überall Laptops arbeiten, einen 8-Spur Hardware Perfomance-Sampler mit dem Namen Elektron Octatrack. Ich finde die Elektron Maschinen schon seit langem höchst spannend – nicht nur weil ich die Vermutung von Elektron teile, dass nach wie vor „das Arbeiten mit einem dezidierten Stand-Alone-Musikinstrument nicht zu schlagen ist.“ Nachdem ich dazu unzählige Youtube Videos studiert habe würde mir das Elektron-Ensemble auch sofort ins Studio stellen, einzig der Preis mit je 1200 Euro hindert mich momentan daran. Zum Inspirieren war das Preview zum Elektron Octatrack und das Interview mit Daniel Troberg dennoch sehr gut geeignet…
- De:Bug Preview – Elektron Octatrack
- De:Bug Interview – Daniel Troberg
- Machinedrum – Monomachine – Mopho @ Youtube
Tin Man: Acid Test 01 (Absurd 015)
So! Das war jetzt genug Pause und es gibt doch so einiges, was ich gerne mit Euch teilen möchte. Allen voran muss noch mal besonders auf die Acid Test 01 von Tin Man auf Absurd Recordings 015 hingewiesen werden. Die Platte ist bereits Ende Januar erschienen und der Track Nonneo war mir sogar schon vorher in der Promo gleich positiv aufgefallen. Doch dann, ein kurze Unaufmerksamkeit und schon war sie out of stock.
In den ersten Monaten dieses Jahres konnte man im Plattenladen schon mal resignieren. Ich persönlich fühlte mich jedenfalls mehr und mehr wie beim Ferkelrennen – viel zu wenig Stück von den richtig guten Platten und wer nicht gleich losrennt, hat’s leider verpasst bzw. wirft den Arbitrage-Abzockern ein vielfaches des gewohnten Preises in den Rachen und die MP3-Downloader lachen. Aber kaum kommt der Frühling und es geschehen noch Zeichen und Wunder – ein Repress!
Jetzt gibt es hoffentlich genug Exemplare dieser Acid-Hymne. Tin Man ist da ja sowieso immer eine echte Ausnahme. Was er hier als Nonneo auf Vinyl gepresst hat ist der beste 303-Acid Sound, den ich seit Love and Sex Acid nicht nur von ihm gehört habe. Genau so muss das für mich klingen. Ich hab das letztes Wochenende gleich mal einem kleinen, größeren Publikum vorgespielt und obwohl leider die Platte gesprungen ist und so der Übergang etwas ruppig zu Ende ging, war die Wärme und Euphorie von Nonneo einfach großartig. Unter A2 Accumulated Acid hat Tin Man davon noch eine Art Ambient Version gemacht und der Remix von Donato Dozzy tauscht die Euphorie gegen Deepness. Ganz toll!
Kollektiv Turmstrasse: Rebellion der Träumer (live)
Kollektiv Turmstrasse haben bereits im November ihr drittes Album mit dem Titel Rebellion der Träumer auf Connaisseur Recordings veröffentlicht und es gab ja auch allerhand Medienpromo dafür. Wenn ich in den vergangenen Jahren mal was vom Kollektiv Trumstrasse gehört habe, dann habe ich meistens diese cleane Klangästhetik bemängelt, wie man sie einfach auf zu vielen Partys hören konnte. Zwar haben sie auch schon immer sehr schöne Synthie-Arrangements gemacht, die besonders gut auf OpenAirs zum Tragen kommen. Doch im Hintergrund war immer dieses cleane Click-Ticker-Click-Ticktick und sowas musste ich abseits der Partys nicht noch öfter hören. Nun habe ich irgendwann dieses Rebellion der Träumer Album angehört und damit haben Kollektiv Trumstrasse dann doch echt positiv überrascht. Das ist ein Allround-Album mit einem echt schönen Vibe geworden. Die Beats sind fett und von temporären Bombast-Breakbeats bis hin zu Superdezent wirklich abwechslungsreich. Es gibt außerdem eine gesunde Portion Pop und die Digital-Version hat darüber hinaus noch viele schöne Ambient-Momente, weil neun Dazwischen-Tracks die Hörer von einem Track zum Nächsten begleiten. Ein kleines Räuspern am Rande: Ich glaube, ich höre hier manchmal auch einen Hauch von Autotune. Naja, egal. Ich skippe meistens bis Dazwischen 3 vor (hier Minute 15) – ab hier gefällt mir das Album so richtig gut. Mein Favorit ist Schwindelig und bei Addio Addio kann man zum Schluss durchaus schon mal die Schuhe ausziehen und für den Sommer ein wenig barfuß Probetanzen…