DJ Harvey: Interview @ AllSaints Basement Sessions

Beim Resident Advisor Podcast von DJ Harvey habe ich unten schon auf das RBMA Interview hingewiesen. Kurz darauf sehe ich bei Facebook, dass es jetzt noch ein ganz aktuelles und sehr schönes Interview gibt. Nebenbei stellt sich heraus, er war gar nicht in der Paradise Garage, haha. (via Marc Schneider)

Atom Heart: Uwe Schmidt zur RBMA 2004

Endlich mal was zu Uwe Schmidt, wohl am besten bekannt als Atom Heart, Atom TM oder Señor Coconut. Der Mann mit über 60 Alias-Namen, der auf Fotos fast immer sehr ernst blickt. Zur RBMA 2004 in Rom erklärte er uns, wieso er eigentlich unter 60 verschiedenen Namen Musik veröffentlicht hat, wie sich das mit den Genre-Grenzen verhält und warum es keinen Sinn macht, sich als Musikproduzent einer bestimmten Stilrichtung zu begreifen.

Damals wie heute war er als Señor Coconut mit Band unterwegs – deshalb gehts auch gleich mit den Geschichten zur Kraftwerk-Interpretation los. Und weil wir ja momentan noch so ein tolles Internet haben, findet ihr hier auch Links zur besprochenen, von Kraftwerk nicht gemochten Radioactivity-Version und die spanische Version zu Smoke on the Water.

Mir persönlich gefällt Uwe Schmidt im Ambient-Mood am allerbesten. Atom Heart – Orange auf Fax und die gemeinsamen Arbeiten mit Pete Namlook, Bill Laswell und Tetsu Inoue kannste bei Gelegenheit ruhig mal checken.

The Alchemists of Sound: BBC Radiophonic Workshop

delia derbyshire bbc radiophonic workshopDas ist heute der 500ste Monday Edition Artikel! Nach einiger Überlegung habe ich für dieses kleine Jubiläum die BBC-Doku The Alchemists of Sound von 2003 ausgesucht. Hier geht es um den BBC Radiophonic Workshop. Zwischen 1958 und 1998 kümmerte man sich hier im legendären Room 13 der Maida Vale Studios in London um neue Musik und Effekte für die BBC.

Der BBC Radiophonic Workshop ist für uns vor allem wegen Delia Derbyshire auch heute noch interessant. Sie war es, die dort das Bandmaschinen Beat-Matching perfektionierte und dort mit ihren Kollegen aus Tape-Loops und einem Ring-Modulator wirklich innovative Musik erschuf.

Es ist nicht nur der berühmte Titel Track für Dr. Who, der noch 40 Jahre später nichts von seiner Magie verloren hat. Im Fundus von Delia Derbyshire finden sich z.B. auch großartige Ambient-Soundkollagen und sogar Tracks, die noch heute als lupenreine Minimal-Dancetracks durchgehen.

 

Tony Andrews: Funktion One @ RBMA Madrid

Am vergangenen Freitag ist die Red Bull Music Academy 2011 in Madrid zu Ende gegangen und zum Glück können inzwischen alle, die nicht live dabei sein können, die RBMA Lectures via Video-Stream nachholen. Eine Lecture zählte dabei ganz sicher zu den absoluten Highlights: Tony Andrews, der sympathische Typ von Funktion One!

Im schönen Zwiegespräch mit Gerd Janson berichtet Tony Andrews nicht nur, wie sie damals in 70ern angefangen haben. Ohne allzu technisch zu werden, geht es vielmehr auch um die ganz praktischen Fragen eines guten Soundsystems. Wie testet man ein Soundsystem? Warum braucht man eine gute Soundkarte? Wie klingt man als Traktor-User besser und warum sollte der Mixer nicht im roten Bereich gefahren werden?

Natürlich geht es hier auch um die Sinnfrage. Warum ist ein gutes Soundsystem wichtig und warum lieben wir alle einen satten, warmen Bass? Das und noch viel mehr in zwei Stunden RBMA fürs Sofa zu Hause. Pflicht für alle, die irgendwas mit Musik am Hut haben!

Doku: Vinylmania

doku vinylmania arteMal ehrlich: Im Gegensatz zu den Problemen, die momentan sonst noch so auf einen eindonnern, ist alles was mit Vinylmania zu tun hat doch wirklich nur Kinderquatsch mit Michael. Und doch bleibt Vinyl neben Live einfach die schönste Art, Musik zu hören. Zuerst sollte Vinyl von der CD beerdigt werden und es ist nicht passiert. Zwar längst in die Nische verdrängt hat die gute alte Schallplatte doch überlebt und es ging ihr dort lange Zeit prächtig. Mit mp3 und der ganzen Computertechnik schien Vinyl vor einigen Jahren dann endgültig vor dem aus. Die meisten Plattenläden mussten schließen, Vertriebe wurden zahlungsunfähig, Labels und Künstler verdienten kein Geld mehr – die Vinyl-Apokalypse schien nahe!

Doch wenn man heute zu langsam ist, dann guckt man der Schallplatte nur noch hinterher. Es scheint so, als gäbe es manchmal sogar viel zu wenig Schallplatten, um die Nachfrage zu befriedigen. Immer mehr Releases werden wieder immer häufiger nachgepresst und auch verkauft. Die De:Bug macht ein drei Ausgaben umfassendes Special über Vinyl und die Sticheleien der mp3-Traktoren in Richtung Vinyl reißen einfach nicht ab. Vinyl ist relevant geblieben. Ich wette bei all jenen, die ihre Schallplattensammlung einst digitalisiert und verkauft haben, kommt manchmal sogar ein leiser Zweifel hoch, ob das nicht vielleicht doch ein Fehler gewesen ist.

Was ist also dran am Vinyl? Warum verlieren sich die Menschen trotz unzähligen, viel praktischeren Alternativen nur zu gern darin und warum bricht bei so vielen Menschen schon beim ersten Plattenkauf die Vinylmania aus? Einige Erklärungsversuche dazu und ganz viel Liebe gibt’s noch bis Donnerstag Abend in dieser Doku auf Arte+7.

It’s All About Love!

its all about loveIs this “DJ” pulling records behind him? Is this Berlin 2011 or NYC/Detroit/Chicago 1988? How far we’ve come and how little we’ve progressed!

Eine Woche ist es her, dass Richie Hawtin dieses Foto mit dem DJ+Trolley auf seiner Facebook-Seite postete und dazu diesen Text schrieb. Mein Kommentar war: Remember: It’s all about love, about giving and sharing. How far have you progressed? Eine Frage, die ich mir von Zeit zu Zeit durchaus auch selbst stelle und die Antwort darauf manchmal auch nur mäßig ausgefallen ist. Tanith hat das inzwischen auch schon als Thema der Woche behandelt und dabei auf die ganzen Hater aus der Vinylfraktion gezeigt. Frei nach dem Motto: Seht her, diese ewig gestrigen von der Vinyl-Fraktion sind noch viel übler.

Dabei waren doch die kritischen Kommentare überwiegend eher darauf bedacht, dass dieses „DJ“ einfach nicht geht. Das Gegenbeispiel, welches Tanith dazu ausgegraben hat, zeigt dazu noch recht deutlich, dass das Thema nicht Digital vs. Vinyl sein sollte. Es geht doch eigentlich um eine gewisse Grundeinstellung, die bei House und Techno einst die zentrale Aussage war und die leider in den vergangenen Jahren mehr und mehr verloren gegangen ist.

Und während ich noch grübelte, wie ich das dieser Diskussion noch anfügen könnte, sind mir die alten Interviews mit Sven Väth wieder eingefallen. Zur Erinnerung: Richie Hawtin hat damals zu seiner Transformation auch gern Sven Väth als Referenz angegeben. Ich war ja nie sehr Väth orientiert. HR3 gabs bei uns nicht und wenn er denn mal in der Nähe aufgelegt hat, wars mir immer viel zu voll. Doch in seinen Interviews konnte man doch immer was durchaus Positives mitnehmen. Zum Beispiel Sven Väth 1998 bei Boulevard Bio oder auch hier im 95er Interview für Spiegel TV.

Ich wünsche mir, dass genau die Aspekte wie Toleranz und Brücken schlagen in Zukunft wieder mehr diskutiert werden. Das es eben am Wichtigsten ist, dass da ein Funken überspringt und der DJ sich öffnen kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich hinter den Decks genau das machen kann, was ich in dem Moment am Meisten liebe, dann erreiche ich die Leute auch mit dem was ich da mache. Ich fühle sie und sie fühlen mich – ganz egal wer da vor mir ist und was sie dort eigentlich von mir erwartet haben. Mit welcher Technik man am Besten dorthin gelangt, dass muss und soll jeder für sich selbst raus finden und entscheiden.

Barker & Baumecker: Live @ Boiler Room Berlin

Inzwischen hat Boiler Room die Sets vom letzten Boiler Room Berlin zum Nachhören auf die Homepage gesetzt und das Live-Set von Barker & Baumecker ist auch dabei. Andreas Baumecker kennen ja bestimmt schon alle. Seit Jahren ist er fester DJ und Teil der Berghain-Panorama Bar Crew und betreibt das Label Freundinnen, dass 2002 mit dem tollen Isolée Track It’s about gestartet ist. Sam Barker kennen dagegen bestimmt noch nicht so viele. Er gehört zu denen, die seit drei Jahren die Leisure System Partys im Berghain organisieren. Gemeinsam haben sie letztes Jahr Candyflip auf Ostgut Ton veröffentlicht und spätestens seitdem spielen Barker & Baumecker auch als Live-Act zusammen.

Es gab also einen großen Tisch voller Hardware – ganz ohne störenden Computer-Bildschirm. Dafür aber für alle eine Extraladung Maschinen-Funk, die weit über das althergebrachte Bum-Tschak-Raster hinaus ging. Mal abgesehen von der kleinen Trance-Einlage bei 50 Minuten war das dort ein wirklich großartiges Finale. Im Video kommt das jetzt bestimmt nicht ganz so phänomenal rüber, wie in jener Mittwoch-Nacht im Stattbad Wedding. Und doch spielen hier Barker & Baumecker ein Live-Set, wie ich mir das vorstelle.

Diesen Mittwoch um 20 Uhr geht’s schon weiter mit: Levon Vincent, Efdemin, Roman Flügel, Cosmin TRG & 2562 / A Made Up Sound. Na da!