Seit Ewigkeiten (also immerhin fast drei Wochen) war ich heute mal wieder im Plattenladen. Nach langem Hin-und-her, Abwegen, Weglegen, Doch-Nochmal-Reinhören und tiefem Blick in den Geldbeutel, ging ich schließlich zufrieden mit unter anderem Theo Parrish, XDB, Omar-S, Andy Stott und Function unterm Arm nach Hause. Alle gut, keine Frage, doch meine Platte des Tages, der Woche, ach, vielleicht sogar des Monats kommt von Stephen Hitchell und Rod Modell und heißt „Seconds To Forever„.
Als Echospace, oder wie eben hier cv313, veröffentlichen die zwei Produzenten schon seit Jahren rauschig warmen Dubtechno, dem man die Vorbilder deutlich anhört, aber keineswegs als einfache Kopie ebendieser abgestempelt werden kann. Ein Vorwurf, vor dem sich dieser Tage beispielsweise Knowone deutlich mehr fürchten müsste. Der Grad zwischen Referenz und Kopie ist schmal – aber das ist eine andere Baustelle, zurück nach Chicago und Detroit, zu cv313.
Eigentlich ist alles wie immer. Es knistert, es rauscht, es sind Tracks, die einfach ebenso vertraut wie eben doch immer wieder packend durch die Hallräume segeln. Und während die Platte mit dem Original des Titeltracks schon beeindruckend beginnt, wird es danach immer besser. Denn der Reshape von „Seconds To Forever“ kickt noch mehr, lässt durch die Tiefen des Dubs noch Congas schwingen und mich die Nadel immer wieder auf Anfang setzen. Ebenfalls nicht genug bekomme ich von dem fast 23-minütigen, sehr ambienten „Beyond The Clouds (Reprise)“ auf der B-Seite. Schleppend und schwer, verwaschen und doch so klar. Ein Rausch, der trotz seiner Länge viel zu schnell endet.
- echospace
- cv313 – Seconds To Forever (hören & kaufen)
Als 1999 die erste Superlongevity Compilation auf Perlon erschien, war das Label bereits 2 Jahre und 10 Releases alt. Das kam irgendwo aus den Klangwelten um Phonography oder Playhouse, war aber dennoch um einiges abstrakter und sowieso schon immer sehr eigen. Ich weiß noch wie mir mal jemand gesagt hat, dass er sich nicht vorstellen könne, diese Tracks im Club aufzulegen aber irgendwann trotzdem einfach alle Perlon-Veröffentlichungen nachgekauft hat. Da war dann der Clubbeweis auch schon längst erbracht.
An dieser Stelle werfe ich mal die neue Ricardo Villalobos auf Sei Es Drum 004 in die Runde. Ganz nach dem Motto „Only a team makes a dream“ hat Ricardo Villalobos in großer Kooperation mit Argenis Brito, O. Weidenthaler und M. Messelis auf der A einen schön zackigen, ich finde fast oldschooligen Villalobos Beat hingelegt und dazu singt jemand peculiar. Der Titel Peculiar trifft es da schon auf den Punkt und ich wusste auf Anhieb wirklich nicht, wie ich das jetzt endgültig finden sollte. Auf der einen Seite der wirklich schöne Villalobos Beat samt spannenden Trackaufbau und dann dieses eigenartige Gesäusel auf der Anderen. Doch irgendwie spiele ich diesen Track jetzt allen vor und dabei ist es für mich vor allem spannend, was ihr dazu meint. Ich tippe, es ist’n Hit und es könnte durchaus sein, dass es auch länger hält. Die B-Seite 3 Züge hat Ricardo Villalobos gemeinsam mit Sven Röhrig aka 3 Phase produziert. Das ist dann wieder was für jene Momente, in denen irgendwelche „jetzt haut das gleich so richtig rein“-Dancefloorambitionen nicht unbedingt auf dem Plan stehen. Schon so vertrackt, wie man es inzwischen längst gewohnt ist und dennoch ziemlich fett. Jekooft!
Diese Tracks hat Joshua Michaels als Circulation bereits in den Jahren 1995 / 1996 auf Balance Chicago veröffentlicht – das ist ein Sublabel von Prescription. Mein Favorit dieser Reissue auf P&D 006 ist definitiv Patterins (Iz & Diz Ghosts In Detroit Wake Up Dub) und genau die Art von Deep House, die immer und immer wieder geht. Süße Strings, warmer Bass, ein sanfter Groove – perfekt und zeitlos. Als Sahnehäubchen gibt’s auf der B-Seite noch einen original 95’er Prescription Chicago House Slammer unter der Überschrift Emotions Unknown in zwei Versionen. Tolle Platte!
Inzwischen hab ich es ja schon mehrmals erwähnt: Paul Rose, ob als Scuba oder unter seinem Techno-Alias SCB, gehört in diesem Jahr zu meinen absoluten Lieblingen. Sein Sound trifft es meistens genau richtig zwischen Dubstep und Techno, die Tracks sind großartig produziert und seine DJ-Sets finde ich Weltklasse. Die SCB 002 macht dabei auch keine Ausnahme, obwohl mir dieser Looptechnotrack 28_5 auf der B-Seite schon fast ein bisschen zu clean geraten ist. Herausragend ist hier der Titeltrack Hard Boild VIP. Die Bassline ist rund, die Snyths erschaffen eine warme Atmosphäre und in der Hälfte des Tracks kickt das dann plötzlich noch mal so richtig. Da geht ein Ruck durch jeden Dancefloor – für alle, die sich auch zwischen Dub- und Detroittechno zu Hause fühlen.
Es gibt einen wirklich super schönen Mix von The Analogue Cops bei Diamonds and Pearls! Hier ist mir dann auch plötzlich erschrocken aufgefallen, dass ich ja überhaupt noch nicht diese Italo Johnson 02 vorgestellt habe. Was für ein Versäumnis und das, obwohl ich diese Platte schon ne ganze Weile in der Kiste mit mir herum trage. Den Favoriten B1 könnt ihr hier jedenfalls gleich mal anhören (22:20) und auch sonst gibt’s bei The Analogue Cops noch richtig viel zu entdecken. Ich bin Fan!
Bei Hardwax gibt’s übrigens gerade die The Twin Cities EP von Theo Parrish auf Harmonie Park 007 noch mal als Repress. Das ist wirklich eine absolute Hammer-Theo-Parrish-Platte. Geht’s hier um Chicago und Detroit oder meint er die Twin Cities Minneapolis und St. Paul, die weiter nordöstlich liegen? Egal, denn eigentlich geht’s hier um einen ultrafetten Parrish-Schieber mit funky Piano Loops und um Dance Sing auf der Flip – einen Track, der mich mindestens ebenso begeistern kann. Wer hier also auf diesen super deepen Detroit-House steht und diese EP noch nicht hat sollte sich das unbedingt mal anhören. Die Platte zählt nämlich doppelt!
Jack Hamill hat’s jetzt als Space Dimension Controller geschafft! Gerade wurde seine großartige Debüt-EP
Meine Damen und Herren, bitte mal kurz herhören. Wir präsentieren Ihnen nun ein neues Album aus dem Hause Smallville in Hamburg, das gerne noch zu den heißen Anwärtern für die Toplisten unter dem Titel „Album des Jahres“ gezählt werden darf: Christopher Rau mit seinem Album-Debüt Asper Clouds. Jetzt wo die Zeitumstellung wieder die dunkle Jahreszeit einläutet und die Umfrage-Bögen unters Volk gebracht werden, kann man so eine Einleitung schon mal bringen, oder? Denn glücklicher werden jene sein, die sich durch den eiskalten November-Regen nach Hause kämpfen und dann Asper Clouds in ihrer Musikauswahl finden. Es sind durch und durch ganz warme Tracks, die einem von ganz alleine ein Lächeln aufs Gesicht zaubern – die richtige Medizin zur richtigen Zeit. Danke schön!
Neues von Workshop auf 7 Inch und unabhängig von der Musik eins vorweg: Ich finde das 7″ Format eigentlich scheiße. Eben musste ich schon mein gepflegtes Neuheiten-Stapelchaos durchsuchen und diese kleine Platte habe ich schlichtweg jedes Mal übersehen bis sie plötzlich – klatsch – hüllenlos auf dem Fußboden lag. Na super, das geht ja schon mal gut los. Dazu sind diese 7 Inches immer deutlich leiser als ihre größeren Schwestern. Das macht es den 7″ Tracks heute ziemlich schwer, sich im Club zwischen den megakomprimierten Geschossen der Laptops und CDs sowie den 12″ Maxi-Singles noch ein, ihnen zustehendes Gehör zu verschaffen. Von der nötigen Extrabehandlung in der Plattenkiste mal ganz abgesehen. Dabei sind diese zwei unbenannten Tracks von Matteo Ruzzon aka Madteo so richtig schön schräg psycho und funky, so dass ich denen wirklich eine extra tiefe Rille über 12″ gegönnt hätte. Limited 7″ Sammler Edition my ass. What about music?