WAX 20002

wax 20002Im vergangenen Jahr hat Shed aka René Pawlowitz einige Releases ohne einen Aliasnamen veröffentlicht und mit Equalized und dem Vorgänger der WAX 20002 war er damit durchaus erfolgreich. Die Equalized und WAX 10001 hatten es Ende 2008 bis auf Platz 13 und 15 der De:Bug Jahrescharts geschafft und am coolsten finde ich eigentlich, dass wirklich viele die Handschrift von Shed rausgehört haben, ohne dass das Label drauf stand. Gibt es einen besseren Beweis dafür, dass sein Sound eben die eigene Persönlichkeit hat, die bei so vielen Produktionen so oft vermisst wird? Nun geht die WAX 20002 an den Start und ich habe sie wieder wirklich gern. Der Sound spielt, wie schon bei 10001, mit Mitte-90er House Techno Assoziationen nur das es jetzt vor allem im Bassbereich deutlich mehr Druck auf die Magengegend gibt und so. True Techno House Music!

André Lodemann – Coming Home EP (Best Works – BWR003)

Andre Lodemann Coming Home EPAn dem was in Berlindeutschland so an Deep-House passiert, gefällt mir das was André Lodemann gerade macht mit am besten. Die Releases folgen einer eigenwilligen bis gewagten Release-Politik: nach jahrelangem stillhalten feuerte er die ersten drei Laufnummern seines Labels Best Works Records in nur drei Monaten heraus, drei EPs die er auch noch komplett selbst bespielte. Die drei Releases sind alle angenehm verschieden, vom Vocal-House des Debüts Searchin‘ (featuring Nathalie Claude) über die etwas ravig bis experimentelleren Breakbeats auf You never know zur aktuellen Coming Home EP, die klassische House-Arbeit mit Piano und Flächen noch einmal auf schönste durchdekliniert. Das lässt hoffen, dass hier das Potential zum dauerhaften agieren da ist, dass nach der massiven Präsentation in der Szene, auch der lange Atem da ist, die geweckten Erwartungen nachhaltig erfüllen zu können.

Was André Lodemann von dem Unterscheidet was aktuell zwischen Oslo, Cecille und Mountain People so alles als neuer Euro-House zirkuliert, zeigt sich besonders gut an der aktuellen dritten EP. Er agiert auf Coming Home nicht besonders minimal, und konzentriert sich immer zuerst auf den Groove. Die erdig-dichten Beats sind in jedem Stück anders und immer interessant. So wird im Titelstück Coming Home der zwingende Groove ganz sacht von einer feinen Fläche unterfüttert bis irgendwann ein verhalltes Piano die Abfahrt angibt. Zap auf der B ist ein subtiler Schieber der nicht nach Peaktime schielt aber gerade dadurch gewinnt. Obwohl nicht so leicht festzunageln ist der Stil von André Lodemann eigenwillig genug, dass die Remixe von Pikaya und Norman Nodge, die jeweils ihren spezifischen Minimal bzw. Dub Flavour beimischen, den Originalen kaum was anhaben können. Bin gespannt wie es weiter geht.

Plattenladenwoche 2009

plattenladenwoche 2009Ich muss das ja keinem erklären, der Plattenladen ist in der Krise. Seit 2007 gibt es deshalb in Amerika den Record Store Day, um den Plattenläden ein bisschen unter die Arme zu greifen. In Deutschland wird vom 30. Oktober bis zum 6. November 2009 gleich eine ganze Plattenladenwoche eingeführt. Ich frage mich zwar, warum in Zeiten des Internationalen Handels, wo Platten secondhand um die ganze Welt geschickt werden und das bei mp3’s ebenso Standard ist, eine nationale Plattenladenwoche Sinn machen soll, aber gut – einen Versuch ist es wert. Hoffentlich gibt’s dann auch richtig viele und wirklich schöne Platten in den Läden die dazu einladen, mal wieder im Plattenladen drüber zu hören, zu reden und sich gemeinsam drüber zu freuen. Ich würde an dieser Stelle gern ein cooles Logo der deutschen Plattenladenwoche einbinden, aber leider habe ich keins gefunden. Deshalb – als Inspiration für die Verantwortlichen der Plattenladenwoche – ein Verweis auf das Vorbild aus Amerika ;)

General Elektro – AU1

general elektro au1Es gibt ein neues Label mit dem Namen General Elektro aus Berlin. Auf ihren erstem Release AU 1, produziert von SVN und Daniel Pflumm vom Elektro Music Department, gibt’s eine Mischung aus Drones und super deepen Techno. Und auch wenn das Atelier da hinten am Kanal am Görlitzer Park schon saniert sein sollte, so höre ich hier immer noch den Putz bröckeln, im Berliner Hinteraus. Ich mag wirklich alle Tracks und besonders A2 Trilogy und B1 Building. Trilogy beginnt mit dem analogen Einstellen des Synths, um sich dann in prägnanter Klangfolge ins Hirn zu schleifen und Building lege ich zur Zeit einfach am liebsten auf… Hört selbst und Pflicht für alle, die nach Hardwax was mit pure Berlin underground techno w/ lo-fi attitude oder z.B. mit Aquaplano anfangen können.

Tevo Howard: Everyday House Music (Beautiful Granville Records)

Tevo Howard - Everyday House Music - Beautiful Granville RecordsIch habe einen neuen Lieblingskünstler: Tevo Howard. Zu Beginn des Jahres hab ich ihn bei Hardwax auf dem Plattenspieler entdeckt, wo Everyday House Music von seiner ersten EP Without Me auf Beautiful Granville Records lief. Chicago-House nach traditionellem Rezept und doch so deep und  zeitlos, dass ich mir sofort die letzte Kopie davon sichern musste. Der Track ist jetzt der Titel der Nachfolgeplatte und in guter Chicago Tradition in einer anderen Version als Album Edit noch mal mit drauf. Wer sich schon mal mit alten Platten aus Chicago beschäftigt hat, der ahnt natürlich, dass man eigentlich schon den initialen Extended Original Mix braucht und der Star ein anderer ist, der hier Energia (Boogiedisco Mix) heißt. Ein Killertrack mit ner amtlichen Portion hypnotischen Dunst unter der Haube, irgendwo auf Augenhöhe zwischen Fingers Inc. & Co. Es sieht ganz so aus als ob sich Tevo Howard 2009 daran macht, das Erbe der Geburt von House und Techno in Amerika fortzuführen. Funky Rhythm Tracks, die immer noch so zeitlos sind, dass sie auch nach mehr als 20 Jahren Menschen auf eine sehr ähnliche Weise berühren und zwischen Techno und House nicht wirklich einen Unterschied machen. Dazu passt auch, dass es weder ein Myspace noch Facebook Profil gibt, keine Bildergallerieen, keine Freundeslisten – nur eine Faxnummer, eine e-mail Adresse und wieder mehr Zeit für Everyday House Music. Die nächste 12″ ist schon in der Pipeline…

Kate Simko: Take You There EP (Spectral Sound SPC-73)

Kate Simko Take You There EP Spectral SoundKate Simko produziert langsam, vielleicht vier Tracks pro Jahr. Aber wenn sie etwas heraus bringt, ist es immer etwas besonders – auch wenn das Besondere im ersten, Eindruck of gar nicht so direkt erkennbar ist. Die klassisch, am Cello, geschulte Musikerin, (früher auch eine Hälfte von Detalles) produziert etwas, was man wohl als Minimal-Techno bezeichnen muss. Allerdings Minimal, der die Klischees des Genres gekonnt zu umgehen weiss.

Ihre neuste Take You There EP auf Spectral Sound verabschiedet sich noch ein wenig mehr vom Minimal-Sounddesign. Die Tracks sind zwar immer noch sehr perkussiv-trocken und im Aufbau höchst minimalistisch, aber langsamer als zuvor und im Gesamtsound eher „housy“. Das entschiedende Merkmal aller Simko Tracks ist ihre Konzentration und Verfeinerung, die Art und Weise wie sich die kleinste Veränderungen durch die Stücke mäandern und sie immer wieder überraschend und interessant machen – das allerdings auf eine derart subtile Weise dass der flüchtige erste Eindruck, im Plattenladen unterm Kopfhörer oder als Vorhör-Schnipsel im Netz, fast immer negativ ausfallen wird, will sagen „langweilig“. Doch genau diesem Impuls darf man nicht nachgeben. Hier sind reiche musikalische Schätze verborgen. „Deep“ wäre das richtige Wort dafür.

Rondenion: Love Bound EP (Rush Hour Recordings RH-R1)

Rondenion Love Bound EP Rush HourEin Phänomen, aber es gibt immer mal wieder Platten die mich faszinieren, die ich immer wieder hören muss, obwohl ich die einzelnen Tracks eigentlich gar nicht so gerne habe. Der Japaner Hirofumi Goto alias Rondenion hat mit seiner Love Bound EP nun genau so ein Ding produziert, von dem ich gerade nicht mehr los komme. Irgendwo im Großraum zwischen Disco-Edit und Sample-intensivem Maximal-House im Innervisions Style angesiedelt, zerren besonders die beiden Stücke auf der A der EP, Carnival Time und Storm gehörig an meinen Nerven. Zu viel quer übereinander gestapelte Samples (oft nicht mal in der selben Tonart)? Zu viel penetrante Wiederholungen? Zu viel unterschweilliger Noise? Die B Wave Amplitude ist dagegen entspannter, klassischer Deep-House zu sofortigen Genießen. Die erste Seite der EP aber nervt auf eine seltsame, das Interesse wachhaltende Weise, die mich dazu auffordert, immer noch einmal reinzuhören, es immer noch einmal zu versuchen die Tracks endlich zu kapieren. Eine abseitige Qualität, aber definitiv eine Qualität!