Kraftfuttermischwerk: Live @ Dubstation Fusion 2011

kraftfuttermischwerk dubstation fusion 2011Ich war nicht auf der Fusion 2011. Zum ersten Mal seit mehreren Jahren und ich kann wirklich nicht sagen, dass es mir egal gewesen wäre. Erst siehste hier in Berlin ständig Leute ihr Wohnmobil beladen und dann wird es hier in Friedrichshain auf einmal so merkwürdig ruhig. Als dann die ersten Bilder von der pyromanischen Eröffnung der Tumbühne durch Youtube tickern und man später hofft, dass die Freunde nicht auch ihr Zelt im Matschsee wiederfinden war spätestens klar: Nächstes Jahr mache ich bestimmt wieder mit.

Das Kraftfuttermischwerk hat dieses Jahr ein Set auf der Dubstation gespielt. Das ist ja der Ort, der mir dort irgendwie auch am Liebsten ist. Allen voran deshalb, weil es einen so wunderschönen Chill-Out Floor leider nur ganz selten gibt und nicht zuletzt, weil man auf der Dubstation auch noch ne Pizza bekommt, wenn alle anderen Stände schon längst abgebaut sind. Und die Musik ist dort meistens auch richtig schön. Nur mein Wunsch, einfach mal Basic Channel live auf der Dubstation zu hören, wurde bisher leider noch nicht erhört.

Dieses Dubstation-Set vom Kraftfuttermischwerk ist aber auch richtig toll. Jetzt, wo die Regenwolken endlich weiter gezogen sind empfehle ich das wirklich jedem. Augen zu, Sonne ins Gesicht, Das Kraftfuttermischerk in der Playlist… Dubstation für alle!

Das Kraftfuttermischwerk LIVE @ Dubstation, Fusion Festival – 02-07-2011

Andy Stott: Tell Me Anything (Modern Love 62)

andy stott - tell me anything - modern love 62Zugegeben: Modern Love hatte ich schon ganz schön weit zur Seite gelegt, es erschien mir alles etwas zu bleiern, zu ernst. Doch in letzter Zeit kommt wieder neuer Schwung ins Label und diese Feststellung unterstreicht Andy Stott mit Tell Me Anything noch mal äußerst fett. Mit 109 bpm geht dieser Genre-übergreifende Killer Track erstmal ganz entspannt zur Sache. Doch dieser mächtige Sound, den uns hier Andy Stott in den Magen drückt, der belebt Körper und Geist und macht sofort süchtig. Tell Me Anything ist eine sowas von exzellente Medizin gegen Totpunkte aller Art und im Vergleich geht’s mit Love Nothing auf Flip dann sogar noch ein bisschen deeper.  Falls nach Online-Vorhörschnipseln noch Zweifel bestehen: Entweder noch mal in voller Länge anhören oder gleich ungehört kaufen!

20 Jahre Hardwax @ WMF Berlin (05.12.2009)

hardwax xx 20 jahre wmf berlinAm Sonnabend wird Hardwax 20! Und das wird gebührend auf 3 Floors im WMF Berlin gefeiert. Um 20 Uhr geht’s schon auf dem Killasan Floor los. Nach Torsten und Sascha ist dann um 22 Uhr der Chef Mark Ernestus persönlich mit Tikiman und Freunden am Start bevor es dann mit René Löwe aka Vainqueur, Anthony “Shake” Shakier, Errorsmith und Gernot von Modeselektor durch die Nach geht.

Im Live Floor gibt sich nach Electric Indigo um 0 Uhr der Rest der Hardwax-Crew die Klinke in die Hand: Substance, MMM, Soundhack, Pete & Sleeparchive, Marcel Dettmann & Shed als Deuce Live und als DJs. Dazu noch Prosumer mit Soundstream in Floor 3 und karibische Köstlichkeiten: Happy Birthday, Hardwax! Für den genauen Zeitplan und mehr Infos besucht einfach die Hadwax-Seite:

Bullwackies All Stars – Black World Dub

Bullwackies All Stars - Black World DubUnd wo wir schon mal beim Wackies Dub sind. Als es 2008 das Repress dieser Platte gab, brauchte ich nicht groß überlegen und es war klar, dass sie natürlich als 12″ in die Sammlung mit aufgenommen wird. Es ist meine allerliebste Dub-Platte und immerhin der Grund, warum Hardwax ebenso heißt. Moritz von Oswalds und Mark Ernestus Weiterentwicklung hab ich übrigens schon einen Podcast geschenkt.

Black World came out originally in 1979, on the Wackies’ imprint Hardwax. (The original cover commemorated the first year of Honest Jon’s new reggae shop Maroons Tunes, Bullwackies’ UK distributor.) It’s a tough album, with Sibbles guiding the selection as well as sharing bass duties — there are versions of his classic composition Guiding Star and stylish Wackies heavyweight, This World; and Tribute To Studio One reworks Heptones Gonna Fight / Hail Don D. as modern steppers, with the kit-drums — as throughout this album — supplemented effectively by the latest electronic innovation from Japan. Drifter and Skylarking put in appearances; and two full Joe Auxumite vocals from the solo album scheduled for release around this time, but abandoned when most of the tapes were lost. A dub version of Delroy Wilson’s Rain From The Skies rounds out proceedings.

Wackies Sampler Volume 1, 2 and 3

wackies samplerEs ist April und schon Sommer. Ich war bereits im See baden und hab inzwischen auch den ersten Sonnenbrand des Jahres. Deshalb war ich heute mal nicht zum Sonnenbaden. Jedoch scheint hier nun nicht nur die Sonne durchs Fenster – die Wackies Sampler Compilations waren heute der Dub-Reggae Dauerbrenner. Wackies haben ja in der vergangen Zeit ihre Releases auch als Sampler CD re-released und diese seien Dir hier nun wärmstens an Herz gelegt. Volume 1 und 3 sind immer noch für kleines Geld bei Hardwax zu haben -die besondere Empfehlung geht an Volume 3- und mehr als no fillers, just killers! will ich auch nicht hinzufügen.

1995 – 2003: eine persönliche Techno – House Retrospektive (Teil 3)

Techno RetrospektiveLetzter Teil der Retrospektive: Das Jahr 1997 steht für mich für eine blühende Techno-Szene, die es schaffte wirklich großartige Tracks zu prodzieren und sich dabei gut vom puren Komerzgeschäft abgrenzte. Für mich war  und ist der Techno-House Spirit, gern umschrieben mit Love, Peace & Unity, einfach großartig und für mich funktionierte das  auch 1998, 1999 sehr gut. Techno – mein Lebensentwurf. Wolle XDP spricht in der Doku We Call It Techno von dem Ziel, dass die Leute (über die Musik und deren repetivtiven Charakter) in einem Trancezustand ein Gemeinschaftsgefühl erfahren und damit zu einer Menschlichkeit zurückfinden, zu der sie sonst vielleicht nicht finden können. Auch wenn das ein bisschen esotherisch verspinnert klingt verstehe ich, wovon er da spricht. Die beste Zeit dafür ist übrigens Morgens ab 5 Uhr und wenn ich zu dieser Zeit heute irgendwo auflege, dann habe ich immer noch genau das im Hinterkopf.

Natürlich geht es zuerst einmal um Spaß. Die Momente, die Techno und House aber zu etwas ganz Besonderen machen sind jene, wo zum Beispiel der Aggro-Typ von vorhin dann irgendwann völlig versunken auf dem Dancefloor zu Musik tanzt, die er so definitiv noch nie gehört hat und sich dabei alle Aggressionen und Sorgen von Gestern und Morgen verlieren – was zählt ist der Moment, der Rhythmus, die Bewegung. Je mehr Leute so etwas gleichzeitig empfinden, desto stärker wird dieser Effekt und wenn das besonders gut funktioniert hat, dann spendet ein solches Erlebnis sehr viel positive Energie und wirkt weit über die Nacht hinaus. Woran liegt es aber, ob das Besondere von Techno und House auf einer Party entsteht oder nicht?

2000 – 2003

In dieser Zeit wurde es immer offensichtlicher, dass die natürlichen Wachstumsmechanismen der Musikindustire immer stärker auch die Musik im sogenannten Underground bestimmten. Harter Techno wurde immer einfacher strukturiert und bekam das Label Schranz verpasst. Irgendwann hieß es einfach nur noch härter, schneller, krasser – cool, wenn nicht – nicht cool. Wo 1999 noch Deephouse gespielt wurde, kam auf einmal Disco-House. Kurz: die Musik wurde für den Mainstream sehr zugänglich. Auf einmal gab es oft keinen Unterschied mehr zwischen einer normalen Disko und einem Techno- bzw. House-Club und das verbunden mit dem ganzen Scheiß, den Disko so mit sich bringt. Spielte Alkohol vorher nur eine untergeordnete Rolle, so wurde plötzlich auf den Partys gesoffen was das Zeug hält. Die Bar freute das natürlich und so wurde noch verstärkt auf Disko und Schranz gesetzt. Ich musste sehr oft erleben wie die absolute Mehrheit der Leute nur auf den nächsten Hurra-Effekt wartete, war dieser auch noch so billig und plakativ. Und was im Jahr 1997 mit der Champange EP von Miss Kittin and The Hacker noch völlig harmlos begann gipfelte bald im Electro-Clash-Crash.

Eigentlich war ich in dieser Zeit als DJ zeimlich gut gebucht. Bald hatte ich das, was ich mir am Anfang so gewünscht hatte. Ich spielte zur Peaktime auf der Mainstage – und gut, es war nicht jeder Abend schlecht. Ich war mir über das Besondere von Techno und House, was ich eingangs beschrieben habe, noch nicht so bewusst wie heute. Irgendwann wurde mir jedoch klar, dass ich diese  Entwicklung zur Disko nicht länger mittragen und miterleben wollte. Vielleicht gab es noch ein paar Ausnahmen wie das Ostgut in Berlin oder die Sets von Ricardo Villalobos, die zu dieser Zeit wirklich was Besonderes waren – aber das, was Techno und House für mich ausmacht, war sonst leider zu weiten Teilen verloren gegangen.

Back to House

Immerhin war ich nicht alleine mit dem, was ich damals über die Techno-House Szene empfand. So gründete sich 2002 in Halle mit dem ZK ein wirklich kleiner Club, der neben unserer Musikauswahl schon allein durch seine Größe ein Statement gegen die uns dort umgebende, kommerzielle Diskowelt setzte. Wir wollten eine Umgebung und diese Grund-Atmosphäre schaffen, in der sowas wie House oder Techno überhaupt wieder stattfinden kann. Der Raum, eine gewisse Offenheit der Leute und natürlich die Musik sind die drei Faktoren, die dafür essentiell sind und die sich auch gegenseitig aufeinander auswirken.

Der Raum benötigt neben einer irgendwie angenehmen oder speziellen Atmosphäre auch eine gewisse Grundgröße, so dass er  eine leichte Fluktuation auf dem Dancefloor zulässt. Am aller Wichtigsten ist  jedoch die Beziehung zwischen der Offenheit der Leute und der Musik. Es ist nur natürlich, dass die Meisten mit gewissen Erwartungen am Abend ausgehen. Neben ökonmoischen Gründen verzichteten wir anfangs völlig auf Gast-DJs und ein Resident spielte stattdessen die ganze Nacht, um auch so die Erwartungen ein wenig einzudämmen. Und mit Erwartungen musikalisch geschickt umzugehen ist für mich das, was einen guten DJ ausmacht. Wer als DJ nur auf Bewährtes und somit Erwartetes zurück greift, ist nur Disko. Wer aber einen Groove spielt, der den Techno-House Spirit in sich trägt und sich außerdem traut, den Dancefloor (wie auch immer) jenseits seiner Erwartungen zu überraschen, der öffnet so den Weg für eine Zeit, in der man House und Techno wirklich fühlen kann.