So! Das war jetzt genug Pause und es gibt doch so einiges, was ich gerne mit Euch teilen möchte. Allen voran muss noch mal besonders auf die Acid Test 01 von Tin Man auf Absurd Recordings 015 hingewiesen werden. Die Platte ist bereits Ende Januar erschienen und der Track Nonneo war mir sogar schon vorher in der Promo gleich positiv aufgefallen. Doch dann, ein kurze Unaufmerksamkeit und schon war sie out of stock.
In den ersten Monaten dieses Jahres konnte man im Plattenladen schon mal resignieren. Ich persönlich fühlte mich jedenfalls mehr und mehr wie beim Ferkelrennen – viel zu wenig Stück von den richtig guten Platten und wer nicht gleich losrennt, hat’s leider verpasst bzw. wirft den Arbitrage-Abzockern ein vielfaches des gewohnten Preises in den Rachen und die MP3-Downloader lachen. Aber kaum kommt der Frühling und es geschehen noch Zeichen und Wunder – ein Repress!
Jetzt gibt es hoffentlich genug Exemplare dieser Acid-Hymne. Tin Man ist da ja sowieso immer eine echte Ausnahme. Was er hier als Nonneo auf Vinyl gepresst hat ist der beste 303-Acid Sound, den ich seit Love and Sex Acid nicht nur von ihm gehört habe. Genau so muss das für mich klingen. Ich hab das letztes Wochenende gleich mal einem kleinen, größeren Publikum vorgespielt und obwohl leider die Platte gesprungen ist und so der Übergang etwas ruppig zu Ende ging, war die Wärme und Euphorie von Nonneo einfach großartig. Unter A2 Accumulated Acid hat Tin Man davon noch eine Art Ambient Version gemacht und der Remix von Donato Dozzy tauscht die Euphorie gegen Deepness. Ganz toll!
Kollektiv Turmstrasse haben bereits im November ihr drittes Album mit dem Titel Rebellion der Träumer auf Connaisseur Recordings veröffentlicht und es gab ja auch allerhand Medienpromo dafür. Wenn ich in den vergangenen Jahren mal was vom Kollektiv Trumstrasse gehört habe, dann habe ich meistens diese cleane Klangästhetik bemängelt, wie man sie einfach auf zu vielen Partys hören konnte. Zwar haben sie auch schon immer sehr schöne Synthie-Arrangements gemacht, die besonders gut auf OpenAirs zum Tragen kommen. Doch im Hintergrund war immer dieses cleane Click-Ticker-Click-Ticktick und sowas musste ich abseits der Partys nicht noch öfter hören. Nun habe ich irgendwann dieses Rebellion der Träumer Album angehört und damit haben Kollektiv Trumstrasse dann doch echt positiv überrascht. Das ist ein Allround-Album mit einem echt schönen Vibe geworden. Die Beats sind fett und von temporären Bombast-Breakbeats bis hin zu Superdezent wirklich abwechslungsreich. Es gibt außerdem eine gesunde Portion Pop und die Digital-Version hat darüber hinaus noch viele schöne Ambient-Momente, weil neun Dazwischen-Tracks die Hörer von einem Track zum Nächsten begleiten. Ein kleines Räuspern am Rande: Ich glaube, ich höre hier manchmal auch einen Hauch von Autotune. Naja, egal. Ich skippe meistens bis Dazwischen 3 vor (hier Minute 15) – ab hier gefällt mir das Album so richtig gut. Mein Favorit ist Schwindelig und bei Addio Addio kann man zum Schluss durchaus schon mal die Schuhe ausziehen und für den Sommer ein wenig barfuß Probetanzen…
Aus aktuellem Anlass macht Monday Edition mal eine Ausnahme und empfiehlt fürs aktuelle James Blake Album, vorher wirklich gründlich reinzuhören. Denn eigentlich ist da nur ein wirklich toller Track drauf und der heißt
Heute Abend wird im Berghain der 20. Geburtstag von Planet E Communications gefeiert und bei dieser Gelegenheit fallen mir doch wieder ein paar Worte dazu ein. Planet E Communications – kurz Planet E – ist das Label von Carl Craig und kommt aus Detroit. Eigentlich habe ich nur in meinem ersten Technojahr mit 15 noch keine Ahnung von Planet E gehabt. Doch bald stand ich im Plattenladen und da war es – dieses Album „The Secret Tapes of Doctor Eich“, welches Carl Craig unter seinem Pseudonym Paperclip People veröffentlicht hat – mit all den Knallern von Throw, Climax, Steam, Oscillator, Clear and Present bis The Floor. Ich habe damals die superschlechte Open Pressung ergattert und dennoch hat dieses Album meinen eigenen Sound geprägt wie kaum ein anderes.
Nicolas Jaar – Mann des Jahres 2010 oder was? Wie war das noch, als Nicolas Jaar da am Montag Abend in der Bar gespielt hat und es leider kein winziges Fleckchen mehr gab, wo man sich eventuell noch hätte hinstellen können? Ans Tanzen wollte ich schon gar nicht mehr denken. Alle wie von Sinnen. Gäste die dem DJ nicht erlauben, nach dieser letzten Nicolas Jaar Platte wirklich Schluss zu machen. Stattdessen eigenmächtig die Nadel wieder auf den Anfang schlittern lassen und erneut völlig ausflippen. Und noch mal und noch einmal Time for us… Weil ich das so oft höre: Ich finde das alles gar nicht so Wunderkind-mäßig. Ungewöhnlich ist es schon. Doch wenn es mehr Eltern gäbe, die ihren Kindern wirklich zuhören und denen zum Beispiel mit 14 das Villalobos Album kaufen, weil sich der Sprössling jetzt für die Musik interessiert, dann wäre so ein Style wirklich gar nicht mehr so sehr außerirdisch. Als ob man Musik erst in einem gewissen Alter jenseits der 20 völlig begreifen würde – das ist doch Quatsch. Es ist alles eine Frage des Zugangs. Einen entspannten Start in einen hoffentlich wunderschönen Tag mit 40 Minuten Nicolas Jaar Podcast bei XLR8R.
Ja, es ist momentan ein wenig ruhiger hier. Während der letzten Wochen und Monate hatte ich vermehrt das Gefühl, dass ich mich hier in bestimmten Punkten immer mehr im Kreis drehe. Ich blieb so manche Antwort schuldig und so war es höchste Zeit, mal einen Gang zurück zu schalten und mich wieder einmal tiefer mit der Frage zu beschäftigen, was ich denn hier wirklich machen will.
Eine Platte die mir momentan auch noch sehr viel Freude macht ist übrigens die Ghostleighdubz 9. Dabei sollte man sich von den, für meinen Geschmack vielleicht etwas überambitionierten Synth-Akkorden der A-Seite nicht abschrecken lassen und gleich zu jener Seite kommen, wo der Pips des Plattenspielers durch das linke Auge vom Gespenst guckt. Weit unterhalb der 120 Bpm Marke groovt hier nämlich ein großartiger Deephouse Track mit dem Namen It’s on. Seine Sounds bringen so viel Reibungspotential mit, dass die Synapsen sofort Tango tanzen und sein Beat kickt auch bei 116 noch so richtig. Weiter hinten im Raum tut die Clap noch ihr übriges – fertig. Toll!