Es gibt ein neues Label mit dem Namen General Elektro aus Berlin. Auf ihren erstem Release AU 1, produziert von SVN und Daniel Pflumm vom Elektro Music Department, gibt’s eine Mischung aus Drones und super deepen Techno. Und auch wenn das Atelier da hinten am Kanal am Görlitzer Park schon saniert sein sollte, so höre ich hier immer noch den Putz bröckeln, im Berliner Hinteraus. Ich mag wirklich alle Tracks und besonders A2 Trilogy und B1 Building. Trilogy beginnt mit dem analogen Einstellen des Synths, um sich dann in prägnanter Klangfolge ins Hirn zu schleifen und Building lege ich zur Zeit einfach am liebsten auf… Hört selbst und Pflicht für alle, die nach Hardwax was mit pure Berlin underground techno w/ lo-fi attitude oder z.B. mit Aquaplano anfangen können.
- General Elektro
- Hardwax (reinhören & kaufen)
Ich habe einen neuen Lieblingskünstler: Tevo Howard. Zu Beginn des Jahres hab ich ihn bei Hardwax auf dem Plattenspieler entdeckt, wo Everyday House Music von seiner ersten EP Without Me auf Beautiful Granville Records lief. Chicago-House nach traditionellem Rezept und doch so deep und zeitlos, dass ich mir sofort die letzte Kopie davon sichern musste. Der Track ist jetzt der Titel der Nachfolgeplatte und in guter Chicago Tradition in einer anderen Version als Album Edit noch mal mit drauf. Wer sich schon mal mit alten Platten aus Chicago beschäftigt hat, der ahnt natürlich, dass man eigentlich schon den initialen Extended Original Mix braucht und der Star ein anderer ist, der hier Energia (Boogiedisco Mix) heißt. Ein Killertrack mit ner amtlichen Portion hypnotischen Dunst unter der Haube, irgendwo auf Augenhöhe zwischen Fingers Inc. & Co. Es sieht ganz so aus als ob sich Tevo Howard 2009 daran macht, das Erbe der Geburt von House und Techno in Amerika fortzuführen. Funky Rhythm Tracks, die immer noch so zeitlos sind, dass sie auch nach mehr als 20 Jahren Menschen auf eine sehr ähnliche Weise berühren und zwischen Techno und House nicht wirklich einen Unterschied machen. Dazu passt auch, dass es weder ein Myspace noch Facebook Profil gibt, keine Bildergallerieen, keine Freundeslisten – nur eine Faxnummer, eine e-mail Adresse und wieder mehr Zeit für Everyday House Music. Die nächste 12″ ist schon in der Pipeline…
Zu den schönsten Mixes 2008 zählten für mich jene von Henning Around aus Hamburg. Mit
Kate Simko produziert langsam, vielleicht vier Tracks pro Jahr. Aber wenn sie etwas heraus bringt, ist es immer etwas besonders – auch wenn das Besondere im ersten, Eindruck of gar nicht so direkt erkennbar ist. Die klassisch, am Cello, geschulte Musikerin, (früher auch eine Hälfte von Detalles) produziert etwas, was man wohl als Minimal-Techno bezeichnen muss. Allerdings Minimal, der die Klischees des Genres gekonnt zu umgehen weiss.
Ein Phänomen, aber es gibt immer mal wieder Platten die mich faszinieren, die ich immer wieder hören muss, obwohl ich die einzelnen Tracks eigentlich gar nicht so gerne habe. Der Japaner Hirofumi Goto alias Rondenion hat mit seiner Love Bound EP nun genau so ein Ding produziert, von dem ich gerade nicht mehr los komme. Irgendwo im Großraum zwischen Disco-Edit und Sample-intensivem Maximal-House im Innervisions Style angesiedelt, zerren besonders die beiden Stücke auf der A der EP, Carnival Time und Storm gehörig an meinen Nerven. Zu viel quer übereinander gestapelte Samples (oft nicht mal in der selben Tonart)? Zu viel penetrante Wiederholungen? Zu viel unterschweilliger Noise? Die B Wave Amplitude ist dagegen entspannter, klassischer Deep-House zu sofortigen Genießen. Die erste Seite der EP aber nervt auf eine seltsame, das Interesse wachhaltende Weise, die mich dazu auffordert, immer noch einmal reinzuhören, es immer noch einmal zu versuchen die Tracks endlich zu kapieren. Eine abseitige Qualität, aber definitiv eine Qualität!
Wann war das eigentlich, als Miminal Techno noch sexy war, und irgendwas mit Soul zu tun hatte? Und nicht wie Matias Aguayo kürzlich so schön textete, im „just pumping pumping pumping“ eine langweilige Porno-Logik verinnerlicht hat oder sich seit mehr als zehn Jahren an der einen, unerreichten Matrize (Robert Hoods Minus von Internal Empire) abarbeitet? Nun hin und wieder gibt es erfreuliches zu berichten, und der junge Mann der sich Edward nennt, konnte mich mit seiner, nach mehreren Samplerbeiträgen, ersten eigenen EP Views From Abroad mal wieder ernsthaft für ein klassisches Minimal Stück Begeistern. In the Mood heisst das, belegt die A-Seite der EP und legt über einem ganz simplen und trocken-warmen Fundament aus Bässen und sehr gerader Bassdrum ein melancholisches Sample (möglicherweise aus dem Soundtrack des gleichnamigen Wong Kar Wai Films) und einen schmeichelnden Wechselgesang Edwards mit Sara Clarke, der ein bischen an Je T’aime… Moi Non Plus erinnert, aber doch unendlich viel subtiler daherkommt als die gruselige Coverversion die Sven Väth seinerzeit an Je T’aime verbrochen hat. Auch die zwei dunkel melodischen Minimal-Stücke auf der B-Seite überzeugen. White, das Berliner Label mit dem schmucken seriellen Design (ein frontales Schwarzweiss Photo des jeweiligen Künstlers vor schwarzem Hintergrund) hat sich hier jedenfalls einen vielversprechenden Newcomer an Land gezogen.



