Kate Simko produziert langsam, vielleicht vier Tracks pro Jahr. Aber wenn sie etwas heraus bringt, ist es immer etwas besonders – auch wenn das Besondere im ersten, Eindruck of gar nicht so direkt erkennbar ist. Die klassisch, am Cello, geschulte Musikerin, (früher auch eine Hälfte von Detalles) produziert etwas, was man wohl als Minimal-Techno bezeichnen muss. Allerdings Minimal, der die Klischees des Genres gekonnt zu umgehen weiss.
Ihre neuste Take You There EP auf Spectral Sound verabschiedet sich noch ein wenig mehr vom Minimal-Sounddesign. Die Tracks sind zwar immer noch sehr perkussiv-trocken und im Aufbau höchst minimalistisch, aber langsamer als zuvor und im Gesamtsound eher „housy“. Das entschiedende Merkmal aller Simko Tracks ist ihre Konzentration und Verfeinerung, die Art und Weise wie sich die kleinste Veränderungen durch die Stücke mäandern und sie immer wieder überraschend und interessant machen – das allerdings auf eine derart subtile Weise dass der flüchtige erste Eindruck, im Plattenladen unterm Kopfhörer oder als Vorhör-Schnipsel im Netz, fast immer negativ ausfallen wird, will sagen „langweilig“. Doch genau diesem Impuls darf man nicht nachgeben. Hier sind reiche musikalische Schätze verborgen. „Deep“ wäre das richtige Wort dafür.
- Kate Simko
- Spectral Sound
- Boomkat
Ein Phänomen, aber es gibt immer mal wieder Platten die mich faszinieren, die ich immer wieder hören muss, obwohl ich die einzelnen Tracks eigentlich gar nicht so gerne habe. Der Japaner Hirofumi Goto alias Rondenion hat mit seiner Love Bound EP nun genau so ein Ding produziert, von dem ich gerade nicht mehr los komme. Irgendwo im Großraum zwischen Disco-Edit und Sample-intensivem Maximal-House im Innervisions Style angesiedelt, zerren besonders die beiden Stücke auf der A der EP, Carnival Time und Storm gehörig an meinen Nerven. Zu viel quer übereinander gestapelte Samples (oft nicht mal in der selben Tonart)? Zu viel penetrante Wiederholungen? Zu viel unterschweilliger Noise? Die B Wave Amplitude ist dagegen entspannter, klassischer Deep-House zu sofortigen Genießen. Die erste Seite der EP aber nervt auf eine seltsame, das Interesse wachhaltende Weise, die mich dazu auffordert, immer noch einmal reinzuhören, es immer noch einmal zu versuchen die Tracks endlich zu kapieren. Eine abseitige Qualität, aber definitiv eine Qualität!
Wann war das eigentlich, als Miminal Techno noch sexy war, und irgendwas mit Soul zu tun hatte? Und nicht wie Matias Aguayo kürzlich so schön textete, im „just pumping pumping pumping“ eine langweilige Porno-Logik verinnerlicht hat oder sich seit mehr als zehn Jahren an der einen, unerreichten Matrize (Robert Hoods Minus von Internal Empire) abarbeitet? Nun hin und wieder gibt es erfreuliches zu berichten, und der junge Mann der sich Edward nennt, konnte mich mit seiner, nach mehreren Samplerbeiträgen, ersten eigenen EP Views From Abroad mal wieder ernsthaft für ein klassisches Minimal Stück Begeistern. In the Mood heisst das, belegt die A-Seite der EP und legt über einem ganz simplen und trocken-warmen Fundament aus Bässen und sehr gerader Bassdrum ein melancholisches Sample (möglicherweise aus dem Soundtrack des gleichnamigen Wong Kar Wai Films) und einen schmeichelnden Wechselgesang Edwards mit Sara Clarke, der ein bischen an Je T’aime… Moi Non Plus erinnert, aber doch unendlich viel subtiler daherkommt als die gruselige Coverversion die Sven Väth seinerzeit an Je T’aime verbrochen hat. Auch die zwei dunkel melodischen Minimal-Stücke auf der B-Seite überzeugen. White, das Berliner Label mit dem schmucken seriellen Design (ein frontales Schwarzweiss Photo des jeweiligen Künstlers vor schwarzem Hintergrund) hat sich hier jedenfalls einen vielversprechenden Newcomer an Land gezogen.
Deinze, das ist diese nichtmal 30.00 Einwohner zählende Stadt in Belgien, in der auch gerne mal Leute wie Charles Webster oder Scott Ferguson in Bars spielen, die kaum mehr als 100 Leute fassen, und genau daher stammt
Welchem Erwartungsdruck muss ein Release eigentlich standhalten, wenn die Beteiligten Soulphiction, Move D sowie Trus’me heißen, und es am Ende auch noch auf Philpot Records erscheint? In meinem Fall einem ziemlich großen, „In the Limelight“ schafft das allerdings absolut locker. Die A-Seite erinnert dabei tatsächlich an eine Mischung zwischen David Moufangs letzten Beitrag auf Workshop und einem dieser warmen und basslastigen Soulphiction Tracks. Neben den obligatorisch groovenden Bongosounds und einigen funky gespielten Gitarrenlicks, holen sich die beiden hier auch noch einen Vocoder mit ins Boot und schaffen es, dass dieser nicht peinlich klingt oder stört, sondern den Track perfekt abrundet. Trus’me steuert auf der B-Seite einen fantatischen Remix bei, der zwar ähnlich funky, warm und dezent wie das Original mit den Bässen und Klängen spielt, dann allerdings doch ein kleines bisschen mehr pumpt und schonmal vorsichtig auf die Tanzfläche schielt. Und wer mir jetzt noch sagen kann, woher ich das Sample aus dem letzten Track, „The Essence“, kenne, der bekommt von mir den virtuellen Digger-Nobelpreis des Tages überreicht. Drei große Namen und drei großartige Tracks – ich habe ehrlich gesagt nichts anderes erwartet.
Redshape ist ja wohl einer der besten Produzenten, die wir in der letzten Zeit so hatten und seit der Delsin 2.0 Party in der Panorama Bar ist Redshape nun auch als DJ unterwegs. Auf Soundcloud gibt’s jetzt zum ersten Mal ein Mix namens House Mood DJ Set – was soll ich sagen: Bei dem Qualitätsmaßstab, den er sich als Produzent erarbeitet hat, schielßt er als DJ nahtlos an. Das Redshape durchaus auch mal in so einer Art House Mood ist, das konnte man übrigens auf seinem kürzlich erschienenen Alpha On The Rocks Release auf dem eignen Label Present schon nachhören. Nicht ganz so fordernd war dieser Titeltrack vielleicht für einige erstmal ungewohnt. Jedoch blüht das hier grade erst nach und nach so richtig auf und war am letzten Wochenende meine absolute Lieblingsplatte. Nun aber erst mal viel Spaß mit dem DJ Set der Woche… Pflichtmix!
Manuel Tur war ja in der vergangen Woche mit seinem