René Breitbarth: Circle Circus (International Records Recordings: IRR004)

René Breitbarth Circle CircusDas von Ada kuratierte Areal-Sublabel IRR gehört mit seinen grob gerasterten visuellen Erscheinungsbild zu den interessantesten jüngeren Debütanten. Bislang konnte noch jede Veröffentlichung auf IRR, von John Daly, Ada zu DJ Koze, durch eine spezifische eigene Note überzeugen, durch Tracks die sich außerhalb der üblichen Trademarksounds der Protagonisten bewegten. Die aktuelle Laufnummer 004 bespielt nun René Breitbarth. Auch er mit zwei Stücken, die seinen gewohnten Klangraum, wenn nicht verlassen so doch mindestens deutlich erweitern.

Die von Breibarth in den letzten zehn Jahren auf Labels wie Treibstoff, Sub Static, Spectral Sound und seinem eigenen Deep Data Outlet zur Perfektion gebrachten warmen und überaus geschmeidigen Dub-Chords über einem Fundament weich-warmer Beats sind immer noch erkennbar, aber in den Hintergrund gerückt zugunsten frecher Computerspielsounds, Breaks und lärmigen Partien.

Und das kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn das oft ein wenig zu glatte Kunsthandwerk der Breitbarth’schen Produktionen hat bei mir in den letzten Jahren doch immer öfter Ermüdungserscheinungen ausgelöst. Damit ist erst mal Schluss: Circle Circus und Loco Motive sind zwei frische, lärmige und bestens gelaunte Slow-House Tracks mit Tiefgang. So kann es weiter gehen.

Gmos11: Deep In The Mix – new(ish) House and Techno

gmosAuf meinen Wegen durchs Netz bin ich bei infinitestatemachine über Gmos – Deep In The Mix gestolpert. Nachdem das mp3 erst einmal Gelgenheit hatte, in meinem Download-Ordner noch ein bisschen zu reifen, habe ich mir das gestern endlich mal angehört und Gmos hat mich wirklich überzeugt. Absolute Killer Tunes…

Tracklist:

1. Yagya – Rigning Níu (Sending Orbs)
2. Leonid – Sadim (Sistrum)
3. Legowelt – Deerdrive JX 10 (M>O>S)
4. Black Jazz Consortium – Watching You Vouge (Soul People Music)
5. Marcello Napoletano – Pianeta Juno (Mathematics)
6. Levon Vincent – Six Figures (Novel Sound)
7. Legowelt – DX Days (Clone)
8. Juju & Jordash – Deep Blue Meanies (Dekmantel)
9. Sascha Dive – Deepest America (Moodymann Remix) (Ornaments)
10. Omar-S – Blade Runner (Fxhe)
11. Mike Huckaby – Wavetable No. 9 (Synth)
12. Robert Hood – And Then We Planned Our Escape (Music Man)
13. Shake – It Erased Me (Morphine)
14. Terrence Dixon – Below Radar (Children Of Tomorrow)
15. Unknown – Landlines (Numbercult)
/ Louis Guilliaume – Beyond The Stars (Heat Of The Storm Remix) (SD)

66mins/152MB

Ark & Dolibox: Be My Baby (Karat 40)

Ark & Dolibox Be My Baby Karat 40Wow, die allerliebst durchgeknallten Franzosen von Karat können auch anders. Die Tracks der neuen gemeinsamen EP von Ark und Dolibox sind anders als alles was sie bisher so gemacht haben und sie unterscheiden sich auch von den vom Cover (Arkzilla und das Dolibox-Alien auf Zerstörungstour durch Paris)  geweckten Erwartungen: Be My Baby ist deep, warm, entspannt und saumäßig lässig. Der von Ark gewohnte Samplewahnsinn mit verzerrtem durchs-Telefon-Gelaber ist nicht verschwunden, aber etwas in den Hintergrund getreten, zugunsten einer  freundlich fließenden, geschlossenen Trackarchitektur. Gerade im Titelstück funktioniert diese Kombination aus flächige deeper Funkyness und Sample-Schnitzeln aus alten Soul-Platten vorzüglich. Auf den beiden Tracks der B-Seite wuchert das Sample-Gestrüpp dann etwas heftiger und experimenteller. Insgesamt kann das, wie ich finde, mit den letzten Veröffentlichungen von Moody (ohne mann) und Theo Parrish locker mithalten.

Resident Advisor Podcst: RA.159 Manuel Tur

manuel turManuel Tur hat den aktuellen Resident Advisor Podcast RA.159 gemixt. Zusammen mit Langenberg und Dplay bildet er nach Jan Peter Wulz in der aktuellen De:Bug die neue Essener House-Schule. Na gut. Es geht jedenfalls um House Music und die hat Manuel Tur -Essen hin oder her-  sehr schön ausgesucht. Seht und hört selbst.

Tracklist:

Mark Pritchard – Unknown – Ho Hum
Manuel Tur ft. Blakkat – Golden Complexion (Pépé Bradock’s Minnie Mouth Mix) – Freerange Records
Phillip Charles – (Mark Bell’s) Revolution – Shaboom
Precious System – The Voice From Planet Love – Running Back
Syclops – NR17 – DFA Records
Newworldaquarium – Trespassers (Redshape Trespassed Mix) – Delsin
Yusef Lateef – The Three Faces Of Balal (Grandfather Paradox Version) – BBE
Marco Bernardi – Mystery Of Nazerus – Clone Records
Kassem Mosse – 08 / B1 – Workshop
Martyn – Elden St – 3024
Prostitune – Money Nugget – Just Another Beat
Dplay – Browse (Ribn Remix) – Drumpoet Community
$tinkworx – Coelacanth – Strange Life

Platten jekooft Nachtrag: von leichte_teile

henry L farsideHenry L – Basement EP (Farside FAR-OTRS 12)

Das ist eine schöne Überraschung. Ein altgedienter Drum’n’Bass Recke (Henry Lau) macht in Deep-House – und das gleich mal ziemlich perfekt. Der Novitätswert dieser EP ist so ziemlich null. Aber dieser superentspannte, warme und lässige Groove macht einfach direkt mal gute Laune. Balkonhängerhouse, auch im geringfügig wolkigeren Dub-Mix von Marcus Worgull.

Captain Hands – Dispel Disco (Moxie MX 018)

moxie 18 captain handsEine etwas ältere EP, deren spezieller Wahnsinn sich mir aber erst jetzt so richtig erschlossen hat. Captain Hands ist der Disco-Alias von Alfred Darlington, kalifornischer Berufsdandy, besser bekannt CutUp-HipHop Sample-Artist Daedelus. Die A Dispel Disco ist gerade noch so als hibbeliger Disco-Edit im Ed-Banger Kostüm zu hören, die B Night On, Night Off dreht die Schraube dann komplett über. Hört sich an wie zwei klassische House Tracks (einer davon möglicherweise der selbe beim dem Radioslave sich das Pianosample in RJ auf der Sex Tracks EP geborgt hat) gleichzeitig abgespielt und im Nebenraum mit einem Diktiergerät wieder aufgenommen.

STL – The Unseen Voyage (Something Vinyl Series 09)

stl unseen voyageIn dieser Woche gibt’s die neue STL – The Unseen Voyage. Jetzt wieder auf seinem Label Something. Ich hatte heute morgen kurz reingehört und dann dafür doch gerne und ohne Mühe einen kleinen Umweg übers Paul-Lincke-Ufer gemacht. Jetzt läuft hier A1 Space Warroirs – erreichte Silent State (mal abgesehen von der Popularität) schon fast eine neue Dimension, so ist Space Warriors noch viel mehr Dancefloorkiller. Mit einem zackigen Beat starten die Warriors ihre Science Fiction Maschinen, getragen von einer funky 70s Bassline bis sie bald die kosmischen Sirenen erreichen, die dann zur Freude aller so wunderschön singen. Was für ein Hammertrack und mit dem schicke ich dieses Jahr noch jeden auf den 12 Minuten-Film – versprochen! Auf der B-Seite zeigt sich dann Stefan Laubner wieder von seiner super deepen Seite. Aber ich muss jetzt erst noch einmal Space Warriors hören…

Rick Wade – Intelligence (Laidrec 001)

rickwade laidDas langerwartete Debüt des Vinyl only Dial House-Sublabels Laid und Rick Wade, auch so einer der gerade seinen x-ten Frühling erleben darf, war da natürlich eine gute Wahl. Perfekter Deep-House mit taufeinen schwebenden Ambient-Flächen über warmen Seen aus Bass. Einzig bei den Beats könnte Wade sich mal etwas mehr einfallen lassen. So einen stumpfen Bumm-Tchak einfach durchlaufen zu lassen mit zwei Minuten Fade-In und -Out, das ist echt ein büschn wenig.

DJ Jus-Ed: Smallville, Kinda Soul & Underground Quality

Sommer. House. Da gehört doch was zusammen? Und wenns um neu-alte House Music geht, kann einer gerade nicht fehlen: DJ Jus-Ed, in der Groove ob seines clevern wirtschaftens vor kurzem als „House-Schwabe“ bezeichnet. Eventuell wird es bis zum medialen Backlash  nicht mehr lange dauern. Aber im Moment ist das House immer noch rund und der Underground noch Quality!

steinhoff hammouda smallvilleSteinhoff & Hammouda – Touch (Smallville 13)

Die Smallville Homeboys sind nach ihrer ersten eher technoiden EP jetzt auch beim Deep-House angekommen. Das Titelstück (featuring Dionne) kommt immer noch in einem eher minimalen Soundgewand daher, mit grummeligen Techno-Bässen, aber die „Klassiker“ schreienden Sounds des Roland TR909 weisen den Weg. Auf der Flipside hat Jus-Ed einen wunderbar flächigen Remix des Tracks You Are von ihrer ersten EP beigesteuert. Und natürlich wieder ein tolles Cover von smallville und mule electronic Hauskünstler Stefan Marx.

jus ed kinda soulJus-Ed – Our Children EP (Kinda Soul Recordings KSR-002)

Jus-Ed allein. Auf fremden Label macht er auch mal das, was er (meiner bescheidenen Meinung nach) am besten kann: leicht käsig trancige klassische Housetracks, ziemlich schnell. Aber sobald die Fläche kommt flieg ich mit. Muss ich.

VA – Minimal Soul Pt.2 (Underground Quality UQ-016PT-2)

Auf dem eigenen Label ist der Mut zum Experiment größer. Wo Minimal Soul Pt.1 noch den extremen Minimalismus alter Profan oder Baby Ford Platten durchdekliniert hat, kommt der zweite Teil noch etwas ungewöhnlicher daher: Gerade-ungerader Breakbeat mit stotternder Flächenmaschine. Gewöhnungsbedürftig, aber toll. Den Vogel ab schiesst aber Levon Vincent mit seinem Games Dub ab – ein kalt knallender Scheppersound mit Felgenbruch. Stoisch kaputt wie Omar S‘ Blown Valvetrane. Da fliegt mir doch das Blech weg.

Christian Löffler – Heights (ki records 001)

christan löffler heightsNeues machte der Mai: ki records, ein gerade geschlüpftes Label aus Köln und Christian Löffler, ein recht neuer Player aus Meck-Pomm. Ergibt als Laufnummer KI-001 eine 4-Track EP, die auf das wunderbarste alter Errungenschaften einen frischen Schwung gibt und damit gerade ziemlich einzigartig da steht.  Die Verbindung melodiöser Ambient-Sounds mit einem Gerüst eher minimaler Beats und Bässe in einer aktuellen Klangästhetik zwischen Techno und House. Erst mal ist das keine so besondere Errungenschaft. Was dann aber im einzelnen aus dieser Basis gemacht wurde sehr wohl. Löffler verzichtet vollständig auf Echokammern und Dub-Chords. Seine Stücke nehmen eher die heute schon verloren geglaubten Fäden wieder auf, die einmal die Debüts von Pantha du Prince, Anders Ilar oder Alex Smoke ausgelegt haben. Eine spezielle Mischung von entrücktem Schwelgen in Melancholie und einer furztrocknen „Stiff Upper Lip“ Attitüde die von Löffler fast unverschämt unbeschwert in die Jetzzeit transportiert wird.

Ich nenne das gerne „Provinztechno“ – und in der Sound- und Coverästhetik wie auch in der Qualität schliesst sich „Heights“ an die jüngsten Highlights dieses ausgedachten Genres (Kann, Musik gewinnt Freunde, Acker) nahtlos an.

DJ Sprinkles: Sisters, I Don’t Know Where This World… (Mule Musiq 38)

dj sprinklesDJ Sprinkles a.k.a. Terre Thaemlitz neuste EP heißt Sisters, I Don’t Know Where This World Is Coming To und ist frisch auf Mule Musiq in Tokio erschienen. Spätestens mit seinen letzten EPs Brenda’s $20 Dilemma und vor allem mit Grand Central Pt. 1 hat er sich in der House Community eindrucksvoll Gehör verschafft und dem steht er auch hier nicht nach. Die Frage, wohin das alles nur führen soll, verschlägt DJ Sprinkles zum Beginn der A Seite gleich mal die Bassdrum. So weht ein auch Hauch von Melancholie durch die beiden atmosphärischen Ambient-Deep-House-Whatever Tracks und seine einzige Antwort I don’t know. Jedoch höre ich nach ca. 15 wunderschöner Musik für ruhigere Momente Bruchstücke von Mr. Fingers – Can You Feel It, die schon DJ Sprinkles Grand Central Pt. 1 so hervorragend geschmückt haben. So macht es dann auch richtig Sinn, dass das Motor City Drum Ensemble auf der Flip zwei Remixes zu diesem Track beisteuert. Dabei wischt besonders der B2 Bassline Dub die Sorgen vom Tisch – mit aller Deepness, Kraft und Hoffnung im Vibe of House. Sure Shot!