Ein Phänomen, aber es gibt immer mal wieder Platten die mich faszinieren, die ich immer wieder hören muss, obwohl ich die einzelnen Tracks eigentlich gar nicht so gerne habe. Der Japaner Hirofumi Goto alias Rondenion hat mit seiner Love Bound EP nun genau so ein Ding produziert, von dem ich gerade nicht mehr los komme. Irgendwo im Großraum zwischen Disco-Edit und Sample-intensivem Maximal-House im Innervisions Style angesiedelt, zerren besonders die beiden Stücke auf der A der EP, Carnival Time und Storm gehörig an meinen Nerven. Zu viel quer übereinander gestapelte Samples (oft nicht mal in der selben Tonart)? Zu viel penetrante Wiederholungen? Zu viel unterschweilliger Noise? Die B Wave Amplitude ist dagegen entspannter, klassischer Deep-House zu sofortigen Genießen. Die erste Seite der EP aber nervt auf eine seltsame, das Interesse wachhaltende Weise, die mich dazu auffordert, immer noch einmal reinzuhören, es immer noch einmal zu versuchen die Tracks endlich zu kapieren. Eine abseitige Qualität, aber definitiv eine Qualität!
Schlagwortarchiv: Deep House
Scott Ferguson: ISM Guest Mix 7 – Unreleased Ferrispark Tracks
Und schon wieder mein aktueller Lieblingsblog: Scott Ferguson hat einen neuen Guest Mix für inifinitestatemachine gemacht mit eigenen, meist unveröffentlichten Tracks. Hier geht’s 60 Minuten in einem wirklich entspannten DJ Mix um die 110 bpm voran und Scott Ferguson trifft so irgendwie den Nerv der Zeit. Mir war bereits am Sonnabend Vormittag der Fusion erfreulich aufgefallen, dass House Music in dieser Geschwindigkeit mehr und mehr gefeatured wird. Was sich in den letzten Jahren zum Beispiel schon bei The Mole und Workshop angekündigt hat, hat dort erstaunlich gut funktioniert und Scott Ferguson schlägt mit seinen neuen Tracks für sein Label Ferrispark Recordings in eben diese Kerbe. Das passt!
Tracklist
01. One Love (Unreleased)
02. Train From Castellemonte (Unreleased)
03. Theme Music Part 1.
04. Don’tchu (Unreleased)
05. I Do It…
06. Strollin’ (Unreleased)
07. 2nite (Unreleased)
08. Joe W (Unreleased)
09. I’ll Tell Anybody (Unreleased)
San Soda: Evaluation Of The Evidence (WPH Recordings)
Deinze, das ist diese nichtmal 30.00 Einwohner zählende Stadt in Belgien, in der auch gerne mal Leute wie Charles Webster oder Scott Ferguson in Bars spielen, die kaum mehr als 100 Leute fassen, und genau daher stammt Red D. Laut eigener Aussage war die Musik von San Soda für ihn der entscheidende Anlass, nach über 15 Jahren DJ-Dasein endlich sein eigenes Label zu starten. Schon nach dem ersten Release zeigte sich, dass das eine mehr als gute Idee war, und so landete auch heute wieder die neuste Veröffentlichung von Nicolas Geysens alias San Soda in meiner Einkaufstüte. Seit 2008 veröffentlichen WPH (We Play House) Recordings jetzt schon tolle Platten und bekunden somit ihre Liebe zum Vinyl, zu tollen Slogans („Some of us claim to think about music – but we are still dancing to it“) und natürlich nicht zuletzt zu überaus toller Musik.
Die meisten Tracks auf WPH Recordings kamen bisher vom bereits erwähntem Nicolas Geysens, welcher spätestens seit der aktuellen Sven Weisemann Mix-CD selbst dem letzten Fan von Housemusik ein Begriff sein sollte. „Evaluation of the evidence„, nach meiner Rechnung WPH Release Nummer 5, kommt im schrulligen „Purple“-Vinyl daher und diesmal leider auch ohne neues Motto aus. Dafür bekommt man 3 wunderbar entspannte Tracks die mal wieder zeigen wie breit gefächert San Soda seine teils deepen, teils leicht melancholischen und wiederum teils gnadenlos auf den Dancefloor ziehenden Tracks entfalten kann. Das klingt nicht so, als wenn hier jemand seinen Stil nicht finden kann, sondern genau das erst gar nicht will.
Besonders hervorheben möchte ich den Titeltrack sowie „20061019“ auf der B-Seite, ein Stück, welches scheinbar noch älter ist als „2007050“ von San Sodas Debüt. „Evaluation Of The Evidence (Live)“ beginnt mit einer leicht tristen Melodie und dumpfem Subbass, öffnet sich während seiner langen Spielzeit (sorry, Stoppuhr gerade nicht zur Hand) allerdings immer mehr und flutet jeden Club und jedes Open-Air mit den wärmsten Flächen und Pianoklängen der Saison, wirklich traumhaft. „20061019“ geht die Sache ein bisschen flotter an und dürfte neben glücklichen Gesichtern auch jede Menge tanzende Beine hervorbringen. Manche werden sagen, dass sie sowas schon hundert mal gehört haben – but we still love house.
- Bestellen@Fatplastics
- San Soda
- We Play House Recordings
- San Soda Interview & Mix @ Random Circuits
Deep Frequency @ Inifinitestatemachine
Der Infinitestatemachine Blog ist doch immer wieder einen Klick wert. Letztens habe ich ja schon auf den tollen Gmos Mix dort hingewiesen. In der vergangenen Woche gab’s dann ein super Interview mit Simon und Guillaume, die neben ihrem Lucky Cloud Soundsystem auch das Internetradio Deep Frequency betreiben. Endlich ein Internetradio, dass die Lücke von Garniers PPB nicht nur ausfüllt sondern noch einen drauf setzt. Die Tracks, die hier gemixt durchs Internetradio schimmern, machen dem Namen Deepfrequency alle Ehre und schnell wird klar, dass hier zwei echte Profis am Werk sind. Es sind zwei alte Party-Haudegen aus London, die schließlich über Ibiza auf David Mancusos legnedärer Loft Party landeten und seitdem diesen Vibe weitertragen. Bei Simon und Guillaume stehen Funk, Soul, Disco Klassiker locker neben deepen Techno Tracks und Deep House – ein perfekter Mix, falls der nächste Montag mal wieder bloody sein sollte. Lest selbst wie das kam mit Mancuso und Lucky Cloud, hört den Mix und checkt das Radio – lohnt sich.
PS: Deepfrequency sendet fast jeden Abend ab 21 Uhr live und sonst gibt es ein tolles Archiv mit vergangenen Sendungen.
- Download mp3
- Interview @ Inifinitestatemachine
- Deepfrequency.com
Sven Weisemann: Groove 119 – MixCD N° 28
Die Groove begleitet mich schon ewig, sie war immer ein treuer Begleiter was Techno und House betrifft. Doch in der letzten Zeit habe ich mich schon gefragt, was mir dieses Magazin alle 2 Monate noch bietet? Ausgabe 138 ist nun endlich mal wieder richtig gelungen – neben schönen Artikeln trumpft die Groove in diesem Monat vor allem mit ihrer CD. Sven Weisemann hat einen Mix gemacht und der ist sowas von Auto-Repeat tauglich, wie man es sich für einen DJ Mix nur wünschen kann. So bilden seine Tracks einen entspannten Soundteppich, der sich nie in den Vordergrund drückt, wenn man ihn nicht ernsthaft mit dem Volume-Regler darum bittet. Die Auswahl ist dennoch abwechslungsreich, so dass selbst die 10. Wiederholung kein Bisschen langweilt. Sven Weisemann hat die berühmte goldene Mitte voll ins Schwarze getroffen. Vor Jahren hatten wir mal nur eine CD mit im Urlaub – es war damals eine Live-Aufnahme von Ricardo Villalobos, die auf CD gebrannt durchweg im Auto lief und die sich einfach nicht abnutzte. Sven Weisemanns Mix CD wünsche ich ein eben solches Schicksal. Hier ist man definitiv gut aufgehoben und schon allein dafür sind die 3,90 super investiert. Ich verbleibe mit meinem Lieblingsübergang Ferrer & Sydenham – Wbeeza: YES!
Tracklist
Max Richter – I Was Just Thinking
Sven Weisemann – Xine Zero
Joe Claussell – Rhythm
Ernie – Guerreros
Brothers‘ Vibe – Bongo Beat
David Alvarado – Beautification
Ferrer & Sydenham Inc. – Deep Penetration
Wbeeza – Roks Dogg
Craig Alexander – Soul Revival
Octave One – Fifteenthirteen
Martyn – Phone Lines
KB Project – Feel It
Maurizio – M-5
San Soda – Got Me Jumpin‘ In My Car
Radio Slave – Tantakatan
Millie & Andrea – Gunshot
Freund der Familie – Symbian (Edit)
Synkro – Tell Me
Burial – In McDonalds
Sven Weisemann – Purple Clouds (Piano Solo)
Soulphiction & Move D: In The Limelight (Philpot)
Welchem Erwartungsdruck muss ein Release eigentlich standhalten, wenn die Beteiligten Soulphiction, Move D sowie Trus’me heißen, und es am Ende auch noch auf Philpot Records erscheint? In meinem Fall einem ziemlich großen, „In the Limelight“ schafft das allerdings absolut locker. Die A-Seite erinnert dabei tatsächlich an eine Mischung zwischen David Moufangs letzten Beitrag auf Workshop und einem dieser warmen und basslastigen Soulphiction Tracks. Neben den obligatorisch groovenden Bongosounds und einigen funky gespielten Gitarrenlicks, holen sich die beiden hier auch noch einen Vocoder mit ins Boot und schaffen es, dass dieser nicht peinlich klingt oder stört, sondern den Track perfekt abrundet. Trus’me steuert auf der B-Seite einen fantatischen Remix bei, der zwar ähnlich funky, warm und dezent wie das Original mit den Bässen und Klängen spielt, dann allerdings doch ein kleines bisschen mehr pumpt und schonmal vorsichtig auf die Tanzfläche schielt. Und wer mir jetzt noch sagen kann, woher ich das Sample aus dem letzten Track, „The Essence“, kenne, der bekommt von mir den virtuellen Digger-Nobelpreis des Tages überreicht. Drei große Namen und drei großartige Tracks – ich habe ehrlich gesagt nichts anderes erwartet.
- Bestellen@Fatplastics
- Soulphiction
- Move D
- Trus’me
- Philpot Records
Manuel Tur: 0201 (Freerange)
Manuel Tur war ja in der vergangen Woche mit seinem Podcast für Resident Advisor schon mal Thema hier. Am 20. Juni war inzwischen Release Date für sein Album 0201, welches auf Freerange bisher als CD und mp3 veröffentlicht ist. Und mit 0201 hat er sich locker 2 Posts in diesem Blog verdient. Es klingt wie die Essenz aus seinem Slow Club, so dass ihr hier bitte nicht die forefront Dancefloor Kracher erwartet. Es ist ein Album, welches sich hier gerade zu allen möglichen Zeiten zu Hause gemütlich macht. Ob zum Frühstück, zur Nachmittagssonne oder zum Entspannen am Abend – Manuel Tur dringt mit diesen großartigen Deephouse Tunes auf 0201 immer so beeindruckend durch, dass es mir schon fast die Wörter verschlägt. Endlich mal wieder Deephouse, wie ich ihn in solch einer klasse Form auf Albumlänge schon fast 10 Jahre nicht mehr gehört habe. Es ist ein Album, welches ich Euch unbedingt noch fürs Wochenende mitgeben muss. Es ist ein Album, welches in diesem Jahr ganz sicher ganz weit vorne landen wird und durchaus so viel Potential mitbringt, dass es vielleicht für einen Platz zwischen großen Klassikern reicht. Nimm die Download Variante und füttere deinen mp3-Player damit – zum Träumen, zum driften. Und die Golden Complexion Remixes von Pépé Bradock sowie Stay im 12″ Mix kommen mir als Vinyl auch noch in die Kiste!
- Manuel Tur
- Freerange (Reinhören / Kaufen)
LWE Podcast 22: Portable vs. Bodycode
Alan Abrahams verbindet in seinen Produktionen als Bodycode und Portable die musikalischen Wurzeln aus seiner Heimat Südafrika mit dem Vibe von Chicago House. Das kann man ungefähr so in der Einleitung des Interviews zum aktuellen Podcast 22 bei Little White Earbuds lesen. Selbsterfahrung durch Rhythmus – da haben wir’s wieder, was in westlichen Sphären immer noch gern als esotherisch verspinnertes Gelaber abgetan wird. Zu sehr verkleistert das Rauschen der Partnerbörsen die Sinne, als dass die eigentliche Energie der Rhythmen überhaupt bewusst wahrgenommen werden kann. Bodycode und Portable wollen aber nicht nur Flirtbeschallung sein – sie wollen weiter gehen, so dass seine Produktionen manchmal ein Weilchen brauchen, bis sie in der Tiefe endlich ihre wahre Größe entfalten. Mir ist es mit Release auf Perlon letztes Jahr selbst so gegangen. Erst nach Hennings Achtungs-Aufruf nach der Selbsterfahrung auf dem Dancefloor hab ich sie schließlich entdeckt, als eine der besten Platten für 2008 überhaupt! Mit diesem Podcast wird es vielleicht ähnlich sein, obwohl das hier erst mal zerhackt wirkende Release sicher schon ein paar Ohren geöffnet hat. Check it twice ;)
Tracklist
01. Oleg Poliakov, “Rainy Dayz” (Portable remix) [Circus Company]
02. Bodycode, “Meaning and Memory” [Spectral Sound]
03. Portable ft. Lerato, “Body to Body” (live remix) [Yore Records]
04. Portable, “Release” [Perlon]
05. Bodycode, “Subspace Radio” [Spectral Sound]
06. Portable, “The Many” [Perlon]
07. Bodycode, “I’ll Hold Your Hand” [Spectral Sound]
08. Bodycode, “Nanotechnolody” (live remix) [Spectral Sound]
09. Bodycode ft. Lerato, “What Did You Say” [Spectral Sound]
Toby Tobias: Space Shuffle Remixes (Rekids 039)
Rekids geht in die Stranddisco. Zwischen den grimmigen Ravekloppern von Radio Slave bis Luke Solomon war Toby Tobias immer schon der lockere Clubhänger mit dem obligatorischen Longdrink. Die Remixe zu seinem Album Space Shuffle vom letzten Jahr greifen sich nun auch genau die sonnigsten Momente heraus und bräunen diese noch mal kräftig nach. So ist Dave Ellesmeres Version von Schoon ein relaxter Deep-House Track mit wunderbar trockenen Beats. Der James Teej Mix von In Your Eyes bietet die große Balearen-Sause inklusive einer Horde Engländer „under the influence“, und Neo-Retro-Disco Darling Tensnake entführt mit seinem Mix des Stückes nach Rimini, ca. 1987.
2562 DJ Mix – Around The House
Dave Huismans aka 2562 und A Made Up Sound ist für seine ziemlich guten Tracks und Remixes zwischen Techno und Dubstep auf Labels wie Tectonic und Shed’s Soloaction Sublabel Subsolo bekannt. Diesen Monat überrascht er mit einem wirklich schönen, wenn auch nur 30 Minuten langen Around The House Mix bei Lower Depths.
Tracklist
01 Andres – You’re still the one [moods & grooves]
02 Theo Parrish – Them drums [sound signature]
03 Kid Sublime – Basement works vol. 2 [rush hour]
04 Rick Wade – World voice [yore]
05 T.O.M. Project – Renaissance [sound signature]
06 Newworldaquarium – Tresspassers [delsin]
07 Moodymann – Track four [planet e]
08 Panash – Unicorn [atavisme]
09 Soulphiction – Get it right (Manmadescience remix) [perlon]
10 Recloose – Ghost stories [planet e]