Norm Talley – Cosmic Waves (Pariter 009)

norm talley cosmic waves partier 09Und da ist er wieder: Norm Talley, der alte Haudegen, welcher einen neuen, amtlichen Detroit-House-Schieber mit dem Namen Cosmic Waves ganz frisch auf dem Sushitech Sublabel Pariter 009 veröffentlicht hat. Für mich klingt der Track ein bisschen danach, als hätte sich Norm Talley etwas am andauernden Erfolg von The Journey orientiert. Und das er diese extrem hohe Messlatte nun nicht jedes Mal knackt, das ist ja nur natürlich. Trotzdem ist Cosmic Waves ein wirklich gutes Tool, welches mit seinem ordentlichen, klackernden Drive jeden Dancefloor Feuer unterm Hintern macht. Und dann hätten wir ja noch die Flip mit je einem Remix von Delano Smith und Kosta Athanassiadis alias XDB. Delano Smith fügt dem Original noch sphärische Synths hinzu, um dann im letzten Drittel mit Mute und Bass noch mal tooltechnisch steil aus der Kurve zu kommen. …und am Ende ist es der Cosmic Waves Remix auf B2 von XDB, welchem hier deep & völlig entspannt vielleicht der eigentliche Evergreen dieser Platte gelungen ist.

The Other People Place: Lifestyles Of The Laptop Café (Warp 90)

The Other People Place: Lifestyles Of The Laptop Café (Warp 90)Als im Jahr 2001 das The Other People Place Album Lifestyles Of The Laptop Café auf Warp veröffentlicht wurde war nicht klar, wer sich dahinter verbirgt und wer diese großartigen Tracks produziert hat. Jedoch gab’s schon die Ahnung, dass The Other People Place von dem selben Produzenten kommen könnte wie Drexciya – jenes sagenumwogene Electro-Unterwasser-Project auf Underground Resistance, Submerge & Co.

James Marcel Stinson produzierte völlig anonym und nur darauf bedacht, die Musik in den Mittelpunkt zu stellen. Keine Live-Gigs, keine Interviews, keine persönlichen Angaben auf den Platten. Erst mit seinem plötzlichen Tod mit 32 Jahren am 03. September 2002 wurde bekannt, dass James Marcel Stinson der Produzent hinter The Other People Place, Drexciya (gemeinsam mit Gerald Donald), Lab Rat XL, Shifted Phases und Transllusion war – einer der Helden elektronischer Musik überhaupt.

Seitdem ich letzte Woche Let Me Be Me im Donnacha Costello Mix gehört habe, hängt The Other People Place wieder in meinem Ohr fest. Beim ersten Hören ist dieses Album vielleicht nicht unbedingt so zwingend, aber falls hier jemand auf Electro steht und wem The Other People Place noch nichts sagen sollte, für den ist Lifestyles Of The Laptop Café auch neun Jahre nach der Veröffentlichung immer noch ein ganz heißer Tipp.

Patrice Scott: Distance Against Time (Sistrum 011)

Patrice Scott - Distance Against Time - Sistrum 011Patrice Scott hat eine neue 12″ auf Sistrum veröffentlicht mit dem wunderbaren Titeltrack Distance Against Time. Ich fand ja Patrice Scott auf seinen vorangegangenen Releases nicht mehr ganz so überzeugend wie zu Beginn. Mit Distance Against Time hat er mich jedenfalls wieder gekriegt und ich habe sogar eine leise Hoffnung, dass dieser Track ähnlich zeitlos sein könnte wie bspw. Atomspheric Emotions von der ersten Sistrum – warm, deep, spaced out Detroit Deep House. Toll!

WaEmotions (12″) 2006
SIS 002 Patrice Scott Beyond Deep

Moodymann @ Red Bull Music Academy London (RBMA 2010)

https://vimeo.com/28718566

Kenny Dixon Jr., noch besser bekannt als Moodymann, ist on Tour: Nach dem klasse Set im Berghain vom Februar war  Moodymann in der vergangenen Woche Gast der Red Bull Music Academy in London. Das ist doch mal ein wirklicher Hammer, denn eigentlich gibt Kenny Dixon Jr. keine Interviews. Update: Und so richtig geil ist, dass es die RBMA Lecture mit Moodymann schon in voller Länge im Videostream gibt. Die ist jetzt Pflicht für alle!

It’s not what you do,
It’s how you do it.
You have to be comfortable in what you do,
And whatever you do,
Do it well!

Moodymann @ RBMA 2010

 

Enypnion ENV2: Various Artists / Furthr – Entra

Enypnion ENV2 Furthr EntraEnypnion ist eigentlich ein reines Digital-Label aus Polen. Im Jahr 2008 gab’s jedoch schon mal ein Release auf 12″ Vinyl und im Februar kam nun ein Zweites hinzu. Ich mache es kurz: Diese Various Artists EP auf Enypnion mit der Katalognummer ENV2 hat’s auf Anhieb in meine Lieblingsplattenauswahl geschafft. Ich höre sie mehrmals täglich, seitdem sie in der vergangenen Woche mit der Post gekommen ist und ich bin sehr optimistisch, dass sie sich auch nicht wirklich abnutzt. Ob Furthr, Irratio, Pegaz oder Session View – alle Tracks gefallen mir wirklich gut. Die A-Seite ist zuckersüßer Dub-Techno getreu dem Enypnion-Motto dream during dreaming. Die zwei Tracks der B-Seite sind eher Detroit-House oder so. Nur die Auslaufrille könnte ein bisschen tiefer sein, damit die Nadel nicht jedes Mal übers Papier schlittert und die geplant und gepressten zweihundert Stück finde ich auch viel zu knapp für diese eine schöne Platte!

Bodytonic Podcast 70: Convextion

convextion bodytonic podcast 70Convextion gehört zu meinen Lieblingen. Der einzige Grund, warum Gerhard Hanson aus Dallas hier bisher noch gar nicht richtig vorgekommen ist, kann demnach nur sein, dass im letzten Jahr einfach nicht viel passiert ist. So gab’s nur 100 Stück Convextion aka E.R.P. auf dem spanischen Liebhaber-Label Semantica als 10″, welche längst ihre Besitzer gefunden hatte, ehe ich davon überhaupt Wind bekam. Außerdem war da noch dieser Vaskitsaherra Remix auf dem Curle Sublabel Metisse. Dieser sei an dieser Stelle gleich mal noch besonders empfohlen. Ich hab die erst vor kurzem gefunden und die gefällt mir echt gut und der Efdemin / John Beltran Remix auf der Flip kann auch was! Und sonst steht Convextion ja auch für Qualität statt Quantität…

Im aktuellen Bodytonic Podcast spielt sich Convextion endlich mal wieder live durch seine Tracks und es ist wie eine Reise zu entfernten Galaxien auf einem leicht gebrochenen Beat. Erinnerungen an die Elektrolux Spacenight der 90er erwachen und schon befinde ich mich im Kosmos fernab zeitgenössischer 4/4 Dancefloor-Strukturen. Tipp!

Pawel – Pawel (dial LP15)

Pawel dial LP 15Das hat mal gedauert. Fast zehn Jahre hat sich Paul Kominek Zeit gelassen für das Debütalbum seines Techno-Alias Pawel. Wesentlich bekannter ist er mit seinem gesangsdominierten Electronica/Pop Projekt Turner geworden.

Dabei ist Kominek Mitgründer des Hamburger Labels dial records und zwischen Hamburg, Köln und seit einigen Jahren Berlin eine feste Größe und ein gutes Gewissen des Techno-Geschäfts. In ihrem klaren Detroit-Bezug und der klassisch minimalistisch trockenen Produktionsweise schienen die über die Jahre rar verstreuten Pawel 12-Inches nur nettes Beiwerk – besonders im Vergleich zu den restlichen Veröffentlichungen auf dial. Das hat sich geändert. Schon die letzten EPs Berkeley auf dial, Lines & Curves auf Ransom Note, sowie Jujuy/Salta und Gabriel auf seinem eigenen Label Orphanear überzeugten durch Haltbarkeit und Tiefe. Platten die ich immer im Laufe der Zeit wieder „nach vorne sortiert“ habe. Mit dem selbstbetitelten Debütalbum ist das nicht anders. Die Tracks haben eine etwas hinterhältige Qualität, die nie direkt ins Ohr fällt, sondern einige Zeit benötigt sich zu entfalten. Denn an sich ist die Sache klar: ziemlich straight und sauber produzierter Melancholie-Chord-Techno der melodiösen Hamburger dial Schule mit einem respektvollen Bezug auf die Klassiker aus dem Detroit der frühen Neunziger. Das alles getaucht in ein Bad aus sanfter Melancholie und sachtem Schwermut, wie man es von Lawrence und Pantha du Prince schon ganz gut kennt. Aber das ist eben nicht alles. Irgendwann, nach so drei, vier Minuten hat fast jeder der Tracks so einen Moment in dem das was zuvor nett und angenehm war in „großartig“ und „berauschend“ umschlägt. Keine Ahnung wie er das hingekriegt hat, aber es wirkt bei mir. Immer.

Omar S aka Alex Smith: Here with me (FXHE AOS-432M)

Omar S Alex Smith Here with me FXHE AOS-432MManchmal sagen 45 sec Samples einfach gar nichts – so gings mir jedenfalls mit der neuen Omar S – Here With Me auf seinem eigenen Label FXHE. Die hab ich nämlich vor ner ganzen Weile schon mal online gehört und war erstmal nicht wirklich von den Socken – bis ich sie jetzt zum ersten Mal von Vinyl und in voller Länge im Plattenladen gehört habe. Here With Me mit den tollen Vocals von Detroits Diviniti ist ein wirklicher Deephouse Hit, der schon jetzt durchaus als Klassiker durchgeht. Too little time for love – too much time for nothing.. das muss nicht sein und weil Omar S seit der letzten Platte auf Trackpausen verzichtet, gibts auch noch ein schönes Intro dazu. Stop Running Around auf A2 findet sicher auch noch seinen Platz, jedoch habe ich im Moment nur Ohren für Here With Me. What a lovesong – perfekt!

Bestimmt ist nicht nur mir aufgefallen, dass inzwischen richtig viele Tracks bei Youtube zu hören sind. Deshalb habe ich eine Playlist mit Musik aus einem Jahr Monday Edition zusammen gestellt und wenn ihr dem Link folgen möchtet, dann könnt ihr Euch gleich von Omar S und Here With Me in voller Länge überzeugen. Danach geht’s für die nächsten 9 Stunden im Shuffle Mode durch den Montag:

Motor City Drum Ensemble: XLR8R Podcast 119

Motor City Drum Ensemble: XLR8R Podcast 119Mein persönlicher Mix der Woche ist bisher der aktuelle Podcast von Danilo Plessow aus Stuttgart, besser bekannt als Motor City Drum Ensemble, für das US Music Mag XLR8R. Mit dem Evergreen Raw Cut’s #5 ist ihm einer der Hits im Sommer 2009 gelungen und inzwischen hat ihn auch jedes Musik Magazin mit einem Feature bedacht. Entspannt und ohne eine Ahnung von Erfolgsdruck macht das Motor City Drum Ensemble einfach weiter so. Detroit House und ein gelungenes Warm-Up fürs Wochenende – es ist ja schon wieder Donnerstag ;)

Tracklist:

01 Latecomer „Cosmic Part“ (Faces/MCDE)
02 Jacob Korn „Selene“ (Running Back)
03 Code 6 „Beyond the Bassline“ (Nu Groove)
04 This Ain’t Chicago „Ride the Rhythm“ (Parisonic)
05 Mijan „Alright (SG Dub)“ (Slip n‘ Slide)
06 Peak Hour Rhythms „Disco Diva“ (Nervous)
07 Ursula Rucker „Electric Santeria (King Britt Mix)“ (Five Six)
08 Ron Trent „Altered States“ (Warehouse)
09 Ben Klock „Viscoplastic“ (Deeply Rooted)

Delano Smith & Norm Talley: Constellation / Detroit 2-Step (Sushitech 10″)

Delano Smith & Norm Talley: Constellation Detroit 2-Step Sushitech 10"Es gibt sie nach wie vor, diese richtig guten Tracks nur auf Vinyl. Nur sind inzwischen alle so vorsichtig und pressen so wenig, dass Plattenkaufen in den letzten Wochen noch mehr Jagd war, als es das sowieso schon immer gewesen ist. Möglichst jeden Tag die über Jahre hinweg flächendeckend abonnierten RSS-Feeds und Newsletter checken ist Pflicht, wenn man eins der paar Exemplare bekommen möchte. Und wenn man mal zu einem ungünstigen Zeitpunkt das Geld für Plattenladen und neue Technik verdienen muss, dann ist es inzwischen mehr als nur fast sicher das der geneigte Plattenkäufer blöd aus der Wäsche und hinterher guckt.

Bei dieser hatte ich Glück. In 2 Stunden gingen 20 Stück über die Ladentheke – und auch nur dann wenn man bereits wusste, dass diese da hinter der Theke liegt. So bin ich nur deswegen eines Nachmittags aufs Rad gesprungen und hab gerade noch die Letzte ergattert. Es ist ein bisschen wie damals im Osten, kurz vor Weihnachten wo es ausnahmsweise mal Orangen oder Bananen gab.  Oder wenn es für 2010 Fusion Early Bird Tickets gab oder Nachtdigitalkarten – letztere sind ja inzwischen auch schon ausverkauft, aber darum soll es hier nicht gehen…

Detroit Beatdown hat nach Jahren im Abseits eine Renaissance erfahren. Ein guter House-Dancefloor hat im Sommer 2009 auch dann locker durchgehalten, wenn die Geschwindigkeit für Stunden weit unter 120 Beats pro Minute gefallen ist. Und auf einmal sind Sie wieder da, die schon da waren, als das mit dem Techno House Ding gerade erst los ging: Norm Talley und Delano Smith. Auf Sushitech gab es nun Ende November diese auf 300 Stück limitierte Split-10″ mit 2 richtig guten House Tracks der Altmeister. Ich konnte mich lange nicht richtig entscheiden, welche Seite der Platte mir eigentlich am Besten gefällt.

Den A-Track „Constellation“ hat Delano Smith produziert. Eine rollende, tief im Bauch wubbernde Bassline trägt hier alles: die sehnsüchtige Synthsequenz, die atmosphärischen Strings, die Claps und die offbeat treibenden Hihats. Ganz klassisch und alles richtig gemacht – deep into the vibe of house, so soll’s sein. Tja, und wie beschreibe ich jetzt Norm Talleys „Detroit 2-Step“ damit hier auch rüber kommt, dass der mir noch ein kleines bisschen besser gefällt? Es ist die Soundauswahl, die nicht ganz so rund klingt, sich auch an akustischen Instrumenten bedient, so noch ein bisschen mehr psycho-akustische Reibung aufbaut und diese dann durch Norm Talleys 1A Mörder-Bassdrum perfekt transportiert. Something for your mind, your body and your soul!

So könnte ich zwar auch wie ein Rohrspatz meckern, dass mir letzte Woche schon wieder so zwei Granaten wegen der momentan akuten Vinyl-Unterversorgung durch die Lappen gegangen sind und das meine zwei Haupt-Plattenläden dazu noch ihre Newsletter schwer vernachlässigen, was demnächst auf jeden Fall noch vor Ort besprochen wird. Andererseits ist aber auch alles wieder viel spannender geworden. Es gibt eben nur noch 300 Stück und so kann gar nicht jeder DJ mit Vinyl das Gleiche spielen. Ich merke wie mich der Platteneinkauf (mein tägliches Leben) emotional aufwühlt und das ich mich schon lange nicht mehr so über neue Platten gefreut habe. Die müssen deshalb auch nächstes Jahr wieder mehr öffentlich aufgelegt werden – mit nem Satz ganz persönlicher Trümpfe und Zaubertricks im Ärmel, versprochen!