Platten jekooft Nachtrag: von leichte_teile

henry L farsideHenry L – Basement EP (Farside FAR-OTRS 12)

Das ist eine schöne Überraschung. Ein altgedienter Drum’n’Bass Recke (Henry Lau) macht in Deep-House – und das gleich mal ziemlich perfekt. Der Novitätswert dieser EP ist so ziemlich null. Aber dieser superentspannte, warme und lässige Groove macht einfach direkt mal gute Laune. Balkonhängerhouse, auch im geringfügig wolkigeren Dub-Mix von Marcus Worgull.

Captain Hands – Dispel Disco (Moxie MX 018)

moxie 18 captain handsEine etwas ältere EP, deren spezieller Wahnsinn sich mir aber erst jetzt so richtig erschlossen hat. Captain Hands ist der Disco-Alias von Alfred Darlington, kalifornischer Berufsdandy, besser bekannt CutUp-HipHop Sample-Artist Daedelus. Die A Dispel Disco ist gerade noch so als hibbeliger Disco-Edit im Ed-Banger Kostüm zu hören, die B Night On, Night Off dreht die Schraube dann komplett über. Hört sich an wie zwei klassische House Tracks (einer davon möglicherweise der selbe beim dem Radioslave sich das Pianosample in RJ auf der Sex Tracks EP geborgt hat) gleichzeitig abgespielt und im Nebenraum mit einem Diktiergerät wieder aufgenommen.

STL – The Unseen Voyage (Something Vinyl Series 09)

stl unseen voyageIn dieser Woche gibt’s die neue STL – The Unseen Voyage. Jetzt wieder auf seinem Label Something. Ich hatte heute morgen kurz reingehört und dann dafür doch gerne und ohne Mühe einen kleinen Umweg übers Paul-Lincke-Ufer gemacht. Jetzt läuft hier A1 Space Warroirs – erreichte Silent State (mal abgesehen von der Popularität) schon fast eine neue Dimension, so ist Space Warriors noch viel mehr Dancefloorkiller. Mit einem zackigen Beat starten die Warriors ihre Science Fiction Maschinen, getragen von einer funky 70s Bassline bis sie bald die kosmischen Sirenen erreichen, die dann zur Freude aller so wunderschön singen. Was für ein Hammertrack und mit dem schicke ich dieses Jahr noch jeden auf den 12 Minuten-Film – versprochen! Auf der B-Seite zeigt sich dann Stefan Laubner wieder von seiner super deepen Seite. Aber ich muss jetzt erst noch einmal Space Warriors hören…

Rick Wade – Intelligence (Laidrec 001)

rickwade laidDas langerwartete Debüt des Vinyl only Dial House-Sublabels Laid und Rick Wade, auch so einer der gerade seinen x-ten Frühling erleben darf, war da natürlich eine gute Wahl. Perfekter Deep-House mit taufeinen schwebenden Ambient-Flächen über warmen Seen aus Bass. Einzig bei den Beats könnte Wade sich mal etwas mehr einfallen lassen. So einen stumpfen Bumm-Tchak einfach durchlaufen zu lassen mit zwei Minuten Fade-In und -Out, das ist echt ein büschn wenig.

DJ Jus-Ed: Smallville, Kinda Soul & Underground Quality

Sommer. House. Da gehört doch was zusammen? Und wenns um neu-alte House Music geht, kann einer gerade nicht fehlen: DJ Jus-Ed, in der Groove ob seines clevern wirtschaftens vor kurzem als „House-Schwabe“ bezeichnet. Eventuell wird es bis zum medialen Backlash  nicht mehr lange dauern. Aber im Moment ist das House immer noch rund und der Underground noch Quality!

steinhoff hammouda smallvilleSteinhoff & Hammouda – Touch (Smallville 13)

Die Smallville Homeboys sind nach ihrer ersten eher technoiden EP jetzt auch beim Deep-House angekommen. Das Titelstück (featuring Dionne) kommt immer noch in einem eher minimalen Soundgewand daher, mit grummeligen Techno-Bässen, aber die „Klassiker“ schreienden Sounds des Roland TR909 weisen den Weg. Auf der Flipside hat Jus-Ed einen wunderbar flächigen Remix des Tracks You Are von ihrer ersten EP beigesteuert. Und natürlich wieder ein tolles Cover von smallville und mule electronic Hauskünstler Stefan Marx.

jus ed kinda soulJus-Ed – Our Children EP (Kinda Soul Recordings KSR-002)

Jus-Ed allein. Auf fremden Label macht er auch mal das, was er (meiner bescheidenen Meinung nach) am besten kann: leicht käsig trancige klassische Housetracks, ziemlich schnell. Aber sobald die Fläche kommt flieg ich mit. Muss ich.

VA – Minimal Soul Pt.2 (Underground Quality UQ-016PT-2)

Auf dem eigenen Label ist der Mut zum Experiment größer. Wo Minimal Soul Pt.1 noch den extremen Minimalismus alter Profan oder Baby Ford Platten durchdekliniert hat, kommt der zweite Teil noch etwas ungewöhnlicher daher: Gerade-ungerader Breakbeat mit stotternder Flächenmaschine. Gewöhnungsbedürftig, aber toll. Den Vogel ab schiesst aber Levon Vincent mit seinem Games Dub ab – ein kalt knallender Scheppersound mit Felgenbruch. Stoisch kaputt wie Omar S‘ Blown Valvetrane. Da fliegt mir doch das Blech weg.

Christian Löffler – Heights (ki records 001)

christan löffler heightsNeues machte der Mai: ki records, ein gerade geschlüpftes Label aus Köln und Christian Löffler, ein recht neuer Player aus Meck-Pomm. Ergibt als Laufnummer KI-001 eine 4-Track EP, die auf das wunderbarste alter Errungenschaften einen frischen Schwung gibt und damit gerade ziemlich einzigartig da steht.  Die Verbindung melodiöser Ambient-Sounds mit einem Gerüst eher minimaler Beats und Bässe in einer aktuellen Klangästhetik zwischen Techno und House. Erst mal ist das keine so besondere Errungenschaft. Was dann aber im einzelnen aus dieser Basis gemacht wurde sehr wohl. Löffler verzichtet vollständig auf Echokammern und Dub-Chords. Seine Stücke nehmen eher die heute schon verloren geglaubten Fäden wieder auf, die einmal die Debüts von Pantha du Prince, Anders Ilar oder Alex Smoke ausgelegt haben. Eine spezielle Mischung von entrücktem Schwelgen in Melancholie und einer furztrocknen „Stiff Upper Lip“ Attitüde die von Löffler fast unverschämt unbeschwert in die Jetzzeit transportiert wird.

Ich nenne das gerne „Provinztechno“ – und in der Sound- und Coverästhetik wie auch in der Qualität schliesst sich „Heights“ an die jüngsten Highlights dieses ausgedachten Genres (Kann, Musik gewinnt Freunde, Acker) nahtlos an.

DJ Sprinkles: Sisters, I Don’t Know Where This World… (Mule Musiq 38)

dj sprinklesDJ Sprinkles a.k.a. Terre Thaemlitz neuste EP heißt Sisters, I Don’t Know Where This World Is Coming To und ist frisch auf Mule Musiq in Tokio erschienen. Spätestens mit seinen letzten EPs Brenda’s $20 Dilemma und vor allem mit Grand Central Pt. 1 hat er sich in der House Community eindrucksvoll Gehör verschafft und dem steht er auch hier nicht nach. Die Frage, wohin das alles nur führen soll, verschlägt DJ Sprinkles zum Beginn der A Seite gleich mal die Bassdrum. So weht ein auch Hauch von Melancholie durch die beiden atmosphärischen Ambient-Deep-House-Whatever Tracks und seine einzige Antwort I don’t know. Jedoch höre ich nach ca. 15 wunderschöner Musik für ruhigere Momente Bruchstücke von Mr. Fingers – Can You Feel It, die schon DJ Sprinkles Grand Central Pt. 1 so hervorragend geschmückt haben. So macht es dann auch richtig Sinn, dass das Motor City Drum Ensemble auf der Flip zwei Remixes zu diesem Track beisteuert. Dabei wischt besonders der B2 Bassline Dub die Sorgen vom Tisch – mit aller Deepness, Kraft und Hoffnung im Vibe of House. Sure Shot!

Kann 00 Remixed by Sven Weisemann & Daniel Stefanik

kann 03Kann Records waren die umjubelten Newcomer in Sachen House Music im Jahr 2008. Ich bin von der Kann 00 Debüt Doppel EP  noch immer wirklich überzeugt und so habe ich diese Remixes erst mal etwas skeptisch angehört – aber dann ganz schnell entschieden: sie sind der Hammer! Auf Seite A nimmt sich Sven Weisemann dem Evol Peed von Sevensol & Bender in Sven’s Dust Devil Remix an. Mit seinen warmen Chords lässt er im gekonnten Mojuba-Style die Bassline sowie die jazzy Synths des Originals verschwinden und verleiht so seinem Remix Flügel. Die Flip kommt dann mit Erinnerungen von Daniel Stefanik zu Memorial Smith. Nachdem wir uns erst mal im schon bekannten Brotherhood US-House Style eingegroovt haben holt Stefanik plötzlich und etwas unverhofft den Jazz raus – was für ein schöner und gelungener Überraschungseffekt, der dann von funky Percussions und einem Vocal In my House gefeiert wird. Also wenn das kein Memorial Smith ist… Shelter lässt grüßen.

Norm Talley: The Journey / In Yo Soul (Third Ear)

norm talley - the journey / in yo soul - third earBeatdown Member Norm Talley hat ne großartige 10″ auf Third Ear released. The Journey dreht sich vor allem um zwei Akkorde klassischer House Strings – ungefähr so: laaa liii. Dazu ein funky Beat der so gekonnt aus der Hüfte kommt, dass er locker jeden ambitionierten Dancefloor nach vorne schraubt. In Yo Soul auf Seite B klingt noch ein bisschen deeper, darker und die Synths dazu haben etwas mystisches. Die Platte hat Talley übrigens seiner verstorbenen Mama gewidmet – kein Wunder also, dass er aus dem, was er am Besten kann, alles rausholt und diese Tracks werden unsterblich sein.

Platten jekooft: von Leichte Teile (16.05.09)

santiagosalazarSantiago SalazarArcade (Macro 011) – Stefan Goldmanns Label Macro wird immer seltsamer und immer besser. Die Tradition von House/Techno scheint hier nur noch der Ausgangspunkt für einen Trip in die weißen Stellen der Sampling-Landkarte. So ist die jüngste Laufnummer 11 von Santiago Salazar eine erdig psychedelische Pilzsuppe aus fernöstlichen Samples und einem tonnenschweren Krautrock-Synthie-Brummen. Ambient-Slowhouse-Drone, falls es dieses Genre schon gibt. Warum nur sechs Minuten? Der Remix von Stefan Goldmann erscheint da erstmal deutlich konventioneller und auf Spielbarkeit, zumindest in den frühen oder sehr späten Abendstunden ausgerichtet – würde das stück nicht nach der hälfte unverhofft in einen gefühlt japanischen Historienfilmsoundtrack umschwenken.

tensnakeTensnakeIn the End (I want you to cry) (Running Back RB015) – Wäre Justus Köhncke in dieser Runde nicht schon vertreten, der Köhncke-Disco-Gedächtnispreis gebührte Tensnake. Das Titelstück ist so ein superoptiertes, sensationell klingendes Stück Neo-Disco mit subtilen Ambienteinflüssen und dieser kaum zu greifenden Aura einer Retro-Modernität, die die Utopie die „Disco“ einmal war aufgreift und in eine ganz neuen aktuellen Kontext umsetzt. Etwas das eigentlich nur Köhncke beherrscht. In diese Disko kommt jeder rein. Neu-Alt-Neu, Whatever. Unwiderstehlich ist das Adverb zu diesen Tracks.

Justus KöhnckeDon’t Go (Kompakt 185) – Hier ist die Mjunik Vocoder Space-Disco zu Hause. In Kölle nähmlisch. Vom Meister persönlich angerichtet. Mit Gummitwist. Dirk Leyers‘ pumpend-minmaler Mix von „It’s gonna be alright“ wärmt mich bislang noch nicht so wie das Original. Braucht vermutlich die richtige Gelegenheit und Uhrzeit.

inoueKarou Inuoeesc (Endless Flight 13) – Und nochmal schwelgerische Synthie-Disco, diesmal aus Japan. Ist einfach zuu schön. Der endlos langsam glimmende Remix von John Daly macht auch alles richtig.

DiskjokkeAsa Nisi Masa (Full Pup FP019) – Jawoll. Prins Thomas‘ Full Pup endlich wieder auf Kurs. Diskjokke treibt hier Schabernack mit einer hirnzersetzender Acid-Sauce im typischen Osloer Sofarocker-Rhythmus. Erinnert mich seltsamerweise gerade an so britisches Mittneunziger-Zeug auf N-Tone oder Warp. Kann das sein?

pantonePan/ToneShame EP (Cereal Killers c/k11) – Sheldon Thompson lässt die Hosen runter. Schon wieder. Hört das denn nie auf? Seine neue EP auf seinem eigenen Label lässt erstmals hören was sich in seinem exzellenten Live-Set letztes Jahr schon angekündigt hatte: Weniger hartes Rocken, dafür Deepness, Konzentration. Das Titelstück ist so ein zartschmelzend euphorisches Slowhouse-Stück, etwas das ich von einem körperlich wie charakterlich eher, äh, „robusten“ Whiskey-Trinker wie Thompson so gar nicht erwartet hätte. Tolle Sache. Einizges Manko: Der Deprigitarrengetriebene Gui Boratto Mix von Lost Highway auf der B spielt gelinde gesagt nicht gerade in meiner Disco.

BozzwellEscape 5 (Firm31) – Der jüngste Neuzugang auf Firm läst sich mächtig Zeit bis nach etwa zwei Minuten aus Ambient/Field Recording Geknusper ein gaanz langsamer Vocal-House Burner wird, wie früher mal Closer Musik. Andre Kramls Remix kommt da deutlich schneller zur Sache. Und der Popnoname/Dee Pulse Mix von Marlena’s Eyes auf der B1 ist eine kleine Perle an poppig federndem Tech-House. Alles sehr eigenwillig, authentisch und gut. Firm machen konsequent ihr eigenes Ding. So kann „Deep“ auch gehen.

koze_smallDJ KozeMrs Bojangles (Circus Company CCS037) – Topfschlagen für Erwachsene. Koze feilt weiter an seiner unnachahmlichen Mischung aus unendlich verfeinertem Minimal-Sound und wahrhaft kindischer Freude an Höspiel-Intermezzi und albernen Filtereffekten. Klingt nach harter Arbeit. Warum Bodhisattva nach Indien ging wird uns diese Platte aber vermutlich auch nicht erklären können.

André LodemannYou never know (Best Works BWR002) – Die Laufnummer Zwei des Lodemannschen Labels, wieder von ihm selbst bespielt kommt wesentlich knochiger rüber als das üppige Vocal-House des Debüts erwarten liess. Ein heftiger ungerade-gerader Rhythmus macht die A zu einer spannenden Angelegenheit. Ohne je gerade durchzuwummern findet das Stück doch zu einem distinkten Groove. Ziemlich clever und eigen.

thrillerUnknownSwarm/Hubble (Thriller002) – Auf dem britischen Label, das sich mit grauschwarzer Anonymität schmückt wird sich auch am Erbe der frühen Neunziger abgearbeitet, spezifisch an dem was sich in komplett zerbombten Köpfen zwischen Kornfeld-Rave und Leftfield noch so zusammenklauben lässt. Zwischen Wow! und Oha! Kaputter Psycho-Scheiss des Monats. Läuft rückwärts von Innen nach Außen.

John TalabotMy old school (Permanent Vacation permvac 033) – Kann Bitte endlich mal jemand die Verwendung afrikanischer Tribal-Samples, besonders dieses eine „Timbuktu“ Sample, ihr wisst schon, unter empfindliche Strafe stellen? Danke! Ansonsten hab ich an diesem, klar, mächtig kommerziellen und, auch klar, mächtig pathetischen, Maxmimal-Melo-House aus zig geschichteten Streicher/Klavier/Ethno Samples eigentlich nichts auszusetzen. Zu einem Trend (vergleiche vor kurzem auch Culoe de Song oder Wareika) muss das aber von mir aus nicht werden.

buttrichMartin Buttrich/JonaStoned Autopilot (C2 Remix) (Planet e PLE65299) – Um diese Platte bin ich ziemlich lange rumgeschlichen. Ein perfekt austarierter C2 Mix zwischen notwendiger Härte und zugewandter Freundlichkeit, zwischen notwendiger Monotonie und hittigen Effekten. Aber bei aller Liebe: Irgendwann ist jetzt auch mal Zeit sich was neues einfallen zu lassen, Herr Craig. Die B von Jona kommt da erstaunlich frisch rüber.

Efdemin – Acid Bells / Martyn Remixes (Metisse 2.5)

martyn-efdeminUnd noch einer, der grade einen Lauf hat: Martyn. Auf dem Curle Sublabel Metisse aus Belgien remixt er Efdemin’s Acid Bells. Größte Beachtung findet dabei wohl weit und breit der Dark Mix – der eigentlich der Bittersweet Mix sein sollte, wie man hier auf Myspace lesen und nachören kann. Ohne Bassdrum spielt hier Martyn eine wunderschöne Piano-Melodie, die alles andere als dark ist. Zwar flackern die Acid Bells des Orginals immer wieder durch, aber das Piano hat dann schon längst alle mitgenommen. Mit dem  Bittersweet Mix – der einst der Dark Mix war – gibt’s dann noch eine Dubstep Version. Diese Piano Version jedoch, die ist es!