André Lodemann – Coming Home EP (Best Works – BWR003)

Andre Lodemann Coming Home EPAn dem was in Berlindeutschland so an Deep-House passiert, gefällt mir das was André Lodemann gerade macht mit am besten. Die Releases folgen einer eigenwilligen bis gewagten Release-Politik: nach jahrelangem stillhalten feuerte er die ersten drei Laufnummern seines Labels Best Works Records in nur drei Monaten heraus, drei EPs die er auch noch komplett selbst bespielte. Die drei Releases sind alle angenehm verschieden, vom Vocal-House des Debüts Searchin‘ (featuring Nathalie Claude) über die etwas ravig bis experimentelleren Breakbeats auf You never know zur aktuellen Coming Home EP, die klassische House-Arbeit mit Piano und Flächen noch einmal auf schönste durchdekliniert. Das lässt hoffen, dass hier das Potential zum dauerhaften agieren da ist, dass nach der massiven Präsentation in der Szene, auch der lange Atem da ist, die geweckten Erwartungen nachhaltig erfüllen zu können.

Was André Lodemann von dem Unterscheidet was aktuell zwischen Oslo, Cecille und Mountain People so alles als neuer Euro-House zirkuliert, zeigt sich besonders gut an der aktuellen dritten EP. Er agiert auf Coming Home nicht besonders minimal, und konzentriert sich immer zuerst auf den Groove. Die erdig-dichten Beats sind in jedem Stück anders und immer interessant. So wird im Titelstück Coming Home der zwingende Groove ganz sacht von einer feinen Fläche unterfüttert bis irgendwann ein verhalltes Piano die Abfahrt angibt. Zap auf der B ist ein subtiler Schieber der nicht nach Peaktime schielt aber gerade dadurch gewinnt. Obwohl nicht so leicht festzunageln ist der Stil von André Lodemann eigenwillig genug, dass die Remixe von Pikaya und Norman Nodge, die jeweils ihren spezifischen Minimal bzw. Dub Flavour beimischen, den Originalen kaum was anhaben können. Bin gespannt wie es weiter geht.

Tevo Howard: Everyday House Music (Beautiful Granville Records)

Tevo Howard - Everyday House Music - Beautiful Granville RecordsIch habe einen neuen Lieblingskünstler: Tevo Howard. Zu Beginn des Jahres hab ich ihn bei Hardwax auf dem Plattenspieler entdeckt, wo Everyday House Music von seiner ersten EP Without Me auf Beautiful Granville Records lief. Chicago-House nach traditionellem Rezept und doch so deep und  zeitlos, dass ich mir sofort die letzte Kopie davon sichern musste. Der Track ist jetzt der Titel der Nachfolgeplatte und in guter Chicago Tradition in einer anderen Version als Album Edit noch mal mit drauf. Wer sich schon mal mit alten Platten aus Chicago beschäftigt hat, der ahnt natürlich, dass man eigentlich schon den initialen Extended Original Mix braucht und der Star ein anderer ist, der hier Energia (Boogiedisco Mix) heißt. Ein Killertrack mit ner amtlichen Portion hypnotischen Dunst unter der Haube, irgendwo auf Augenhöhe zwischen Fingers Inc. & Co. Es sieht ganz so aus als ob sich Tevo Howard 2009 daran macht, das Erbe der Geburt von House und Techno in Amerika fortzuführen. Funky Rhythm Tracks, die immer noch so zeitlos sind, dass sie auch nach mehr als 20 Jahren Menschen auf eine sehr ähnliche Weise berühren und zwischen Techno und House nicht wirklich einen Unterschied machen. Dazu passt auch, dass es weder ein Myspace noch Facebook Profil gibt, keine Bildergallerieen, keine Freundeslisten – nur eine Faxnummer, eine e-mail Adresse und wieder mehr Zeit für Everyday House Music. Die nächste 12″ ist schon in der Pipeline…

Henning Around: By Three On The Trees Mix 07.2009

Henning AroundZu den schönsten Mixes 2008 zählten für mich jene von Henning Around aus Hamburg. Mit Deep Space 20359 und Diving Deeper 20359 hat er sich mühelos einen Stammplatz auf meinem mp3-Player erspielt und jetzt gibt’s endlich neues Futter inklusive Dead Eye – dem Masterpiece mit dem Eon, auch wenn er vor kurzem verstorben ist, weiterleben wird. Alles zum Anhören und zum Download bei Soundcloud. Yeah!

Tracklist:

Moderat – Rusty Nails (Shackleton Unofficial Mix)
Raudive – Khaki
Appleblim & Ramadanman – Sous Le Sable
Surgeon – Floorshow pt. 1
Baby Ford & Eon – Dead Eye
Actress – Hazyville
Kkassem Mosse – Workshop 08
Juju & Jordash – Deep Blue Meanies
Plaid – Ol
Ad Vanz vs. Gescom – Viral
Phillipe Cam – Karine
DJ Bone – Changeapella
Jedi Knights – May the funk b with u
Autechre – Eutow
Datassette – The Aviatrix
Alexi Delano feat. Robert Manos – Round and Round (Metro Area Remix)
Boards of Canada – Amo Bishop Roden

Scott Ferguson: ISM Guest Mix 7 – Unreleased Ferrispark Tracks

scott ferguson ferrispark recordingsUnd schon wieder mein aktueller Lieblingsblog: Scott Ferguson hat einen neuen Guest Mix für inifinitestatemachine gemacht mit eigenen, meist unveröffentlichten Tracks. Hier geht’s 60 Minuten in einem wirklich entspannten DJ Mix um die 110 bpm voran und Scott Ferguson trifft so irgendwie den Nerv der Zeit. Mir war bereits am Sonnabend Vormittag der Fusion erfreulich aufgefallen, dass House Music in dieser Geschwindigkeit mehr und mehr gefeatured wird. Was sich in den letzten Jahren zum Beispiel schon bei The Mole und Workshop angekündigt hat, hat dort erstaunlich gut funktioniert und Scott Ferguson schlägt mit seinen neuen Tracks für sein Label Ferrispark Recordings in eben diese Kerbe. Das passt!

Tracklist

01. One Love (Unreleased)
02. Train From Castellemonte (Unreleased)
03. Theme Music Part 1.
04. Don’tchu (Unreleased)
05. I Do It…
06. Strollin’ (Unreleased)
07. 2nite (Unreleased)
08. Joe W (Unreleased)
09. I’ll Tell Anybody (Unreleased)

San Soda: Evaluation Of The Evidence (WPH Recordings)

San SodaDeinze, das ist diese nichtmal 30.00 Einwohner zählende Stadt in Belgien, in der auch gerne mal Leute wie Charles Webster oder Scott Ferguson in Bars spielen, die kaum mehr als 100 Leute fassen, und genau daher stammt Red D. Laut eigener Aussage war die Musik von San Soda für ihn der entscheidende Anlass, nach über 15 Jahren DJ-Dasein endlich sein eigenes Label zu starten. Schon nach dem ersten Release zeigte sich, dass das eine mehr als gute Idee war, und so landete auch heute wieder die neuste Veröffentlichung von Nicolas Geysens alias San Soda in meiner Einkaufstüte. Seit 2008 veröffentlichen WPH (We Play House) Recordings jetzt schon tolle Platten und bekunden somit ihre Liebe zum Vinyl, zu tollen Slogans („Some of us claim to think about music – but we are still dancing to it“) und natürlich nicht zuletzt zu überaus toller Musik.

Die meisten Tracks auf WPH Recordings kamen bisher vom bereits erwähntem Nicolas Geysens, welcher spätestens seit der aktuellen Sven Weisemann Mix-CD selbst dem letzten Fan von Housemusik ein Begriff sein sollte. „Evaluation of the evidence„, nach meiner Rechnung WPH Release Nummer 5, kommt im schrulligen „Purple“-Vinyl daher und diesmal leider auch ohne neues Motto aus. Dafür bekommt man 3 wunderbar entspannte Tracks die mal wieder zeigen wie breit gefächert San Soda seine teils deepen, teils leicht melancholischen und wiederum teils gnadenlos auf den Dancefloor ziehenden Tracks entfalten kann. Das klingt nicht so, als wenn hier jemand seinen Stil nicht finden kann, sondern genau das erst gar nicht will.

Besonders hervorheben möchte ich den Titeltrack sowie „20061019“ auf der B-Seite, ein Stück, welches scheinbar noch älter ist als „2007050“ von San Sodas Debüt. „Evaluation Of The Evidence (Live)“ beginnt mit einer leicht tristen Melodie und dumpfem Subbass, öffnet sich während seiner langen Spielzeit (sorry, Stoppuhr gerade nicht zur Hand) allerdings immer mehr und flutet jeden Club und jedes Open-Air mit den wärmsten Flächen und Pianoklängen der Saison, wirklich traumhaft. „20061019“ geht die Sache ein bisschen flotter an und dürfte neben glücklichen Gesichtern auch jede Menge tanzende Beine hervorbringen. Manche werden sagen, dass sie sowas schon hundert mal gehört haben – but we still love house.

Deep Frequency @ Inifinitestatemachine

simon deep frequency infinitestatemachine mixDer Infinitestatemachine Blog ist doch immer wieder einen Klick wert. Letztens habe ich ja schon auf den tollen Gmos Mix dort hingewiesen. In der vergangenen Woche gab’s dann ein super Interview mit Simon und Guillaume, die neben ihrem Lucky Cloud Soundsystem auch das Internetradio Deep Frequency betreiben. Endlich ein Internetradio, dass die Lücke von Garniers PPB nicht nur ausfüllt sondern noch einen drauf setzt. Die Tracks, die hier gemixt durchs Internetradio schimmern, machen dem Namen Deepfrequency alle Ehre und schnell wird klar, dass hier zwei echte Profis am Werk sind. Es sind zwei alte Party-Haudegen aus London, die schließlich über Ibiza auf David Mancusos legnedärer Loft Party landeten und seitdem diesen Vibe weitertragen. Bei Simon und Guillaume stehen Funk, Soul, Disco Klassiker locker neben deepen Techno Tracks und Deep House – ein perfekter Mix, falls der nächste Montag mal wieder bloody sein sollte. Lest selbst wie das kam mit Mancuso und Lucky Cloud, hört den Mix und checkt das Radio – lohnt sich.

PS: Deepfrequency sendet fast jeden Abend ab 21 Uhr live und sonst gibt es ein tolles Archiv mit vergangenen Sendungen.

Red Bull Music Academy Berlin 2009

red bull music academy logo berlinWir feiern in dieser Woche 20 Jahre Loveparade! Und auch wenn der Umzug offiziell nicht in Berlin weilt, brodelt es irgendwie. Mein Terminkalender füllt sich immer mehr und mehr und das meiste hat auch irgendwo mit Techno zu tun. Soll das wirklich alles Zufall sein?

Die Red Bull Music Academy ist zum Beispiel auch in Berlin. Am Mittwoch steigt die Eröffnungsparty im Watergate mit Efdemin, Dixon und den Wighnomy Brothers oben und mit Theo Parrish und Quarion im Waterfloor. Donnerstag, Freitag und Sonnabend gibt’s dann das Bass Berlin Festival in der Maria. Wie der Name schon sagt, dreht sich hier alles um den Bass und wegen der Fülle an Headlinern möchte ich mich hier mit dem Verweis auf die Maria Homepage begnügen. Außerdem gibt’s nämlich noch öffentliche Red Bull Music Academy Workshops im WMF, die dazu auch noch kostenlos sind. Am Freitag geht’s mit dem Hip Hop Producer Hank Shocklee und Appleblim um ihre Erfahrungen in der Musik Industrie und am Sonnabend sitzen Mouse on Mars auf der Couch (more lectures tbc, wie es bei RBMA zu lesen ist). Last but not least gibt sich am Sonnabend Maurice Fulton zur Closing Party im WMF die Ehre. Alle Details findest du in den Links:

Sven Weisemann: Groove 119 – MixCD N° 28

sven weisemann groove 119 mix cd 28Die Groove begleitet mich schon ewig, sie war immer ein treuer Begleiter was Techno und House betrifft. Doch in der letzten Zeit habe ich mich schon gefragt, was mir dieses Magazin alle 2 Monate noch bietet? Ausgabe 138 ist nun endlich mal wieder richtig gelungen – neben schönen Artikeln trumpft die Groove in diesem Monat vor allem mit ihrer CD. Sven Weisemann hat einen Mix gemacht und der ist sowas von Auto-Repeat tauglich, wie man es sich für einen DJ Mix nur wünschen kann. So bilden seine Tracks einen entspannten Soundteppich, der sich nie in den Vordergrund drückt, wenn man ihn nicht ernsthaft mit dem Volume-Regler darum bittet. Die Auswahl ist dennoch abwechslungsreich, so dass selbst die 10. Wiederholung kein Bisschen langweilt. Sven Weisemann hat die berühmte goldene Mitte voll ins Schwarze getroffen. Vor Jahren hatten wir mal nur eine CD mit im Urlaub – es war damals eine Live-Aufnahme von Ricardo Villalobos, die auf CD gebrannt durchweg im Auto lief und die sich einfach nicht abnutzte. Sven Weisemanns Mix CD wünsche ich ein eben solches Schicksal. Hier ist man definitiv gut aufgehoben und schon allein dafür sind die 3,90 super investiert. Ich verbleibe mit meinem Lieblingsübergang Ferrer & Sydenham – Wbeeza: YES!

Tracklist

Max Richter – I Was Just Thinking
Sven Weisemann – Xine Zero
Joe Claussell – Rhythm
Ernie – Guerreros
Brothers‘ Vibe – Bongo Beat
David Alvarado – Beautification
Ferrer & Sydenham Inc. – Deep Penetration
Wbeeza – Roks Dogg
Craig Alexander – Soul Revival
Octave One – Fifteenthirteen
Martyn – Phone Lines
KB Project – Feel It
Maurizio – M-5
San Soda – Got Me Jumpin‘ In My Car
Radio Slave – Tantakatan
Millie & Andrea – Gunshot
Freund der Familie – Symbian (Edit)
Synkro – Tell Me
Burial – In McDonalds
Sven Weisemann – Purple Clouds (Piano Solo)

Soulphiction & Move D: In The Limelight (Philpot)

Soulphiction & Move D - In the limelightWelchem Erwartungsdruck muss ein Release eigentlich standhalten, wenn die Beteiligten Soulphiction, Move D sowie Trus’me heißen, und es am Ende auch noch auf Philpot Records erscheint? In meinem Fall einem ziemlich großen, „In the Limelight“ schafft das allerdings absolut locker. Die A-Seite erinnert dabei tatsächlich an eine Mischung zwischen David Moufangs letzten Beitrag auf Workshop und einem dieser warmen und basslastigen Soulphiction Tracks. Neben den obligatorisch groovenden Bongosounds und einigen funky gespielten Gitarrenlicks, holen sich die beiden hier auch noch einen Vocoder mit ins Boot und schaffen es, dass dieser nicht peinlich klingt oder stört, sondern den Track perfekt abrundet. Trus’me steuert auf der B-Seite einen fantatischen Remix bei, der zwar ähnlich funky, warm und dezent wie das Original mit den Bässen und Klängen spielt, dann allerdings doch ein kleines bisschen mehr pumpt und schonmal vorsichtig auf die Tanzfläche schielt. Und wer mir jetzt noch sagen kann, woher ich das Sample aus dem letzten Track, „The Essence“, kenne, der bekommt von mir den virtuellen Digger-Nobelpreis des Tages überreicht. Drei große Namen und drei großartige Tracks – ich habe ehrlich gesagt nichts anderes erwartet.